Er wußte zuviel, um als haßerfüllter Sträfling in der Masse der Namenlosen untergehn zu können.
Er hoffte zuviel, um Hand an sich legen zu können.
So wählte er den esoterischen Weg der Flucht in die sinnvolle unsinnliche Konzentration und Versenkung in Gott.
Er wählte das letztere.
Von der frühesten Kindheit bis zur letzten Verhaftung bildete dieses Dasein eines Verstoßenen eine Kette unaussprechlicher Leiden, die niemand begreifen konnte. Finsteres Verhängnis hielt den Gleitenden gefaßt und stieß ihn immer tiefer abwärts.
Das war kein leichtsinniger oder zynischer Bruder, der da über dem Abgrund schwebte und Läden plünderte. Der zwölf Jahre Kerker absolvierte, um immer wieder zu frischen Strafen bereit zu sein.
Sondern ein düsterer, schwerblütiger und verzweifelter, ein ewig fragender und belasteter Intellektueller, der aus Passivität gegen sein Geschick zum Verbrecher wurde.
Seine Aggressivität war die Betäubung der Stimme in der Brust, die das große Warum dieses Daseins niederbrüllen sollte. Das Erwachen war immer grauenhaft.
Man kann sich einen reinen Typus des Empörers vorstellen, der auf eigene Faust und ungehemmt seinen Kampf austrägt und von keinen metaphysischen Sorgen behelligt von Tat zu Tat schreitet und seinem Ende, das früher oder später doch kommen muß, gelassen entgegenschaut.
Dieser Typus des Eroberers, des Kolonialmenschen ist dieser Emil Strauß nicht. Die Verkrümmung seiner energischen Linie liegt ganz früh. Vielleicht kam er mit ihr auf die Welt. Es ist sicher, daß er in anderer, gesünderer Umgebung ein bedeutender, um nicht zu sagen ein großer Mensch geworden wäre.