So aber, außerhalb aller menschlichen Beziehung, ein Verbannter in der Heimat, entfernte sich auch sein Rückweg, die Umkehr ganz und gar von der Norm.
Der Angleich an die Welt kann ihm nicht gelingen. Er gleitet an ihr vorüber und landet in einem metaphysischen, religiösen System, der Christian Science.
Wert oder Unwert dieser Lehre, die aus Amerika, wo sie Anhänger nach Millionen zählt, soll hier nicht untersucht werden.
Die Voraussetzung allen metaphysischen Erlebens ist natürlich der Glaube, sei es an Gott oder den Teufel oder an sich selbst und die im Menschen wurzelnden, unbekannten Kräfte. Sei es auch nur die Hoffnung, einem Glauben verbunden zu sein und einer gleichgerichteten Schar, daß man menschliche Nähe wieder spüre, eine Hand, die in die gräßliche und einsame Finsternis dieses Lebens langt, mit etwas Wärme behaftet.
Jedenfalls steht das eine als ein sonderbares Mysterium, wäre man versucht zu sagen, fest, daß das Leben dieses bisher in heftigster Feindschaft zur Welt exaltierenden Menschen sich in das krasse Gegenteil verkehrte: Weltflucht und Verneinung des Leidens, der Strafe, der Sinne, aller Verführung und Gewalt, aller Erregung und allen Widerstandes gegen den Willen Gottes, der sich ebenso mannigfach äußert, wie es Emotionen der Umwelt geben kann.
Sicherlich lag dieser Ausweg als der vielleicht einzig mögliche durchaus in seiner Linie. Sein Wesen erscheint in keiner Weise verändert. Aber dadurch, daß er die Kerkermauern leugnet, sich dahin gebracht hat, sie nicht zu sehn, bekam er überhaupt erst Luft zum Weiterleben. Von dem Schrecken des Lebendigbegrabenseins hat der „Laie“ keinerlei Vorstellung. Er ist für einen Menschen mit empfindsamen Nerven durchaus tödlich. Die Vorstellung, fünfzehn Jahre lang keinen Baum und keinen Himmel, keinen Menschen und kein Tier sehen zu dürfen, nachdem man bereits zwölf solch höllischer Jahre kraft der Jugend und des Nichtbegreifens überstand, muß einen Charakter auch von eisernster Willensstärke zermalmen.
Aber das System des Glaubens an die innere Freiheit hat so feste Wurzel in dem Herzen dieses Mannes im Kerker geschlagen, daß er frohen Muts in die Zukunft schauen kann. Es gibt für ihn eine Zukunft.
Er hat Pläne. Hat eine Erfindung gemacht. Er studiert Latein und Mathematik. Er liest und arbeitet.
Daneben verbreitet er die Lehre, an die er glaubt, unter seinen Kameraden.
Hat Erfolge in jeder Hinsicht ... seine Wärter stellen ihm das beste Zeugnis aus, seine Mitgefangenen verehren ihn.