Im gleichen Augenblick, wo er die Möglichkeit einer sozial gerechten und zugleich menschlich bereiten Atmosphäre spürte, also das sozialistische Ideal, wenn auch nur annähernd, aber seinem persönlich grüblerischen Temperament adäquat verwirklicht sah, brach er den Kampf ab und ging zur anderen, als richtig erkannten Partei über.

In Wirklichkeit also fand er nichts Neues, sondern nur sein eigenes Lebensbild. Kehrte gestärkt und bestätigt zu seiner Philosophie heim. Weder die Welt des Verbrechers noch die bürgerlich unaufrichtige und stachlicht umhegte Welt Europas hat ihn gefangen.

Über der sichtbaren hat er sich eine unsichtbare, nur esoterischen Geistern zugängliche Welt ersonnen. Im Bogen weicht er allem aus, was ihn von diesem Weg der Selbstbetrachtung und Selbsterhaltung abbringen könnte.

Dabei arbeitet er mit staunenswerter Energie und Begabung an seiner eigenen Vollendung.

Jetzt lernt er Latein. Von seinen Mitgefangenen ließ er sich die schmalen Streifen Klosettpapier geben, die an der Schnur hängen bleiben. Darauf schreibt er mit winzigen Buchstaben die Vokabeln, legt diese Wortstreifen während der Arbeit neben sich und lernt. Sein Bildungshunger ist grenzenlos.

Aber er hat auch Erfolge.

So ist es ihm gelungen, eine wichtige Erfindung auf elektrotechnischem Gebiet zu machen, die in diesen Tagen dem Patentamt vorgelegt wurde und die Aussicht auf Verwirklichung hat.

Eine ganze Reihe technischer Probleme beschäftigt ihn. Das Reich der Zahlen und Ströme durchwandert sein begabter Geist mit der gleichen Behendigkeit und Tiefsinnigkeit, wie das des Glaubens und der Wunder.

Auch seine dichterische Kraft ist keineswegs erlahmt. Eine ganze Anzahl schöner und formvollendeter Gedichte ist so erstanden, und seine Briefe gehören an Gedankentiefe, Sachlichkeit und menschlichem Ernst zum Schönsten überhaupt, was er erdachte.

Eine ganze Anzahl geistig hochstehender Menschen nimmt sich seiner liebevoll an. Dieser merkwürdige Außenseiter hat wirklich das Wunder vollbracht, in der heutigen, abgehetzten und vergrämten Generation nachhaltigen Eindruck zu machen und einen Kreis von Menschen um seine Spur zu scharen, der in Liebe und Teilnahme zu ihm steht.