Man beorderte sie vor ein Konzilium, das sie höflich und salbungsvoll behandelte, ihnen aber eindringlich diese Reden gegen die bestehende Ordnung verwies und sie vor den Folgen einer Irrlehre warnte. Bald stellten sich bei den Sieben auch die Zeichen ihres furchtbaren Alters ein. Sie holten ihr Leben nach. In wenigen Tagen bekamen sie das Aussehen uralter Bäume, die mit Moos und Flechten bewachsen einsam in stillen Tälern trauern, in schwarze Schatten gehüllt.
Sie ließen nicht ab, laut und lauter ihre Stimmen zu erheben. Sie zogen wie die gerettete, unbeugsame Wahrheit durch Städte und Dörfer und predigten voll Eifer die Reinheit des armen Lebens, das sich der Ewigkeit verdungen.
Viele hörten auf sie, heimlich kamen manche und empfingen Händedruck und Trost, die Masse des Volkes geriet in Wallung: Zeichen und Wunder, neuer Eifer, neuer Drang gegen Himmel schloß die Menge in Ehrfurcht und Glauben aneinander.
Viele aber lachten hinter ihrem Rücken, nannten sie komische Käuze und die Geschichte des hundertjährigen Schlafes eine dumme Legende. Die Behörden der Kirche aber ergrimmten mehr und mehr über diese unliebsamen Heiligen und riefen die Wächter des Staates zu Hilfe. Die gingen vor nach den Buchstaben des Gesetzes und stellten die Sieben vor Gericht. Man hatte sie dabei ertappt, daß sie Früchte von Feldern und Brot stahlen.
Sie erklärten zu ihrer Verteidigung, daß unter Christen, die doch Brüder seien, alles Eigentum gemeinsam sei, in Wahrheit also fortfalle, und vermochten die schwierige Deutung der Beamten nicht einzusehen. Man sperrte sie ins Gefängnis. Mittlerweile aber hatten ihre Anhänger, die sich die freien Brüder im Geiste nannten, Zulauf erhalten und dann versucht, das Gefängnis zu stürmen.
Die sieben Schläfer aber weigerten sich hartnäckig, ihnen zu folgen auf der Flucht. Sie fühlten, daß sie sich dem Ziele näherten.
Da überließ man sie ihrem Schicksal.
Der Gouverneur gab endlich den Befehl, sie im Gefängnis zu erdrosseln.
Das Pferd
Ohne sich Gewalt anzutun, in freier, geordneter Haltung verließ Johannes das Haus seiner Geliebten, bei der er die erste Nacht verbracht hatte.