Da verwirren sich ihm plötzlich die Gedanken. Er kennt den Weihnachtsengel und die lieben guten Augen seines lieblichen Gesichts, er hat oft mit ihm gespielt und getändelt, den kleinen Engel in seinen Armen herumgetragen, ihn geküßt und geherzt, er hat ihn beim Namen gerufen, und doch weiß er in dem Augenblicke nicht, ob er ihn Lenchen nennen soll, wie sein einziges kleines Schwesterchen hieß, das so bald von den Engeln des Himmels hinaufgetragen wurde zu den blauen Wolken, oder ob er Mimi heißt, wie sein liebes süßes Kind. Wie wenn zwei Wasserströme sich vereinigen und ihre Wellen sich vermischen, so fließen jetzt in Dennhardt's Traumgebilde Vergangenheit und Gegenwart zusammen.

Da schlägt ein Laut an sein Ohr, ein süßer, lieblicher Laut, der ihn von den Todten auferwecken könnte.

»Papa ... lieber Papa ...« Und gebrochen ist plötzlich der Bann, mit dem der Traumgott ihn bestrickt.

»Meine Mimi,« ruft er und beugt sich über die Kleine, die mit heißen Wangen in ihrer Wiege liegt, im Halbschlummer plaudernd, noch aufgeregt von den Eindrücken des Abends, die sie noch im Traume verfolgten.

»Schlummere, mein kleiner Engel,« murmelte Dennhardt und legte seine Hand leise auf des Kindes heiße Stirn, während er sein Haupt leicht auf den Rand der Wiege stützte. Da erlosch auch die letzte Kerze, im tiefen Dunkel lag das Zimmer und herab senkte sich auf Vater und Kind jener sanfte ruhige Schlummer, der den Gerechten geschenkt wird, die reinen Herzens sind.

4. Ein Gespräch und seine Folgen.

Fanny hatte doch das Herz geklopft, als sie ihren Fuß auf den Tritt des Wagens setzte, der sie von der Vorstadt bei Belleville weit hinein in das Herz von Paris führen sollte.

Dieser Schritt, Das fühlte sie klar, war ein Bruch mit der Vergangenheit, ein entschiedener Bruch, der nicht mehr zu heilen war. Manch innerer schwerer Kampf war vorausgegangen, ehe sie ihn wagte.

Bevor wir aber die junge Frau auf ihrer nächtlichen Fahrt nach Paris hinein begleiten, müssen wir von einer Begegnung erzählen, die vielleicht einen Monat vor Weihnachten stattgefunden hatte.

Fanny war in die innere Stadt gefahren, um hier einige Einkäufe zu besorgen. Etwas ermüdet war sie dann in ein Café des Boulevard Italien getreten, um eine Erfrischung zu nehmen, als mit einem halb unterdrückten Ausruf der Freude ein junger eleganter Mann auf sie zutritt.