»Sollte bei Ihnen, Madame,« frug er mit schüchternem Ausdruck und niedergeschlagenen Augen, wie ein Schüler von sechszehn Jahren, welcher der Auserwählten seines Herzens seine erste schüchterne Liebeserklärung stammelt, »sollte bei Ihnen jener Gemeinspruch eine Ausnahme machen?«

Eine dunkle Röthe flammte über das Gesicht der jungen Frau.

»Und wenn Dies der Fall wäre, welches Interesse könnten Sie, Herr Vicomte, haben, Dies zu wissen?« frug sie mit leiser Stimme und ohne die Augen von dem Parquet des Salons zu erheben.

»Oh, Madame!« rief der junge Mann mit leisem und bebendem Tone. Eine ganze Rede würde nicht beredter, nicht ausdrucksvoller gewesen sein, als dieser kurze Ausruf, der so einfach, so natürlich war und doch so Viel errathen ließ.

Es trat ein kurzes Stillschweigen ein, eine jener Pausen, in denen statt des Mundes nur das Herz spricht, in denen man die Worte und Empfindungen des Andern in dessen Augen lesen muß.

Der Vicomte war es, welcher das Stillschweigen brach. Er war ein sehr gewandter Mann, welcher wußte, daß so stolze Naturen wie Fanny sehr behutsam behandelt werden müssen.

»Und wissen Sie, Madame,« begann er das Gespräch in einem Tone, der den Ausdruck achtungsvoller Vertraulichkeit trug, ohne jene durchschimmernde Leidenschaftlichkeit, welche dem vorhergehenden Gespräch einen so eigenthümlichen Charakter aufgeprägt hatte, »wissen Sie, welche Angelegenheit mich schon so früh nach Paris geführt und mich den Freuden der Jagd in meinen schönen Wäldern so bald Adieu sagen ließ?«

Die junge Frau lächelte mit einer verneinenden Geberde.

»Die Politik,« fuhr der Vicomte fort, »ich bin Deputirter der Nationalversammlung, und ich und meine Freunde halten es für hohe Zeit, diesem republikanischen Komödienspiel ein Ende zu machen und Frankreich seinem rechtmäßigen Herrscher wiederzugeben.«

»Wen nennen Sie den rechtmäßigen Herrscher Frankreichs?« frug Fanny, überrascht, in dem Vicomte, welchen sie bis jetzt blos für einen jungen Elegant gehalten, auch einen Politiker zu entdecken.