Nach Beendigung der Sitzung erwartete der Vicomte die junge Frau am Portal und hob sie in seinen bereitstehenden Wagen. Dann nahm er ihr gegenüber Platz und befahl seinem Kutscher nach dem Boulogner Wäldchen zu fahren. Es verging eine Viertelstunde, ehe zwischen den Beiden ein Wort gewechselt wurde, aber eine desto lebhaftere und innigere Sprache redeten die Augen.

»Sie haben heute eine Schlacht gewonnen,« begann Fanny endlich.

»Sie wollen sagen: wir sind besiegt, aber nicht geschlagen worden; denn wenn unser Antrag auch nicht angenommen wurde, so geschah Das nicht deßhalb, weil man unsere Gründe durch Gegengründe widerlegte, sondern weil man uns durch das Gewicht der Mehrheit erdrückte.«

Eine Kutsche, in welcher jene alte Marquise und die junge blonde Gräfin von der Zuhörertribüne der Nationalversammlung saßen, rollte vorüber.

Der Vicomte von Grandlieu grüßte mit einer Verbeugung, während ein leiser spöttischer Zug um seine Lippen schwebte.

»Die arme Gräfin,« sprach er zu Fanny gewendet, »sie war blos deßhalb auf die Tribüne gekommen, um ihren Gatten, den Grafen von Bonville, als Demosthenes zu bewundern. Der Arme bekam aber das bekannte Fieber, welches den Soldaten, der zum ersten Male in die Schlacht geht, ebenso befällt, wie den Komödianten, wenn er zum ersten Male vor die Lampen tritt, oder den Priester, wenn er seine erste Predigt hält.«

»Desto mehr waren Sie der Gegenstand ihrer Bewunderung,« entgegnete Fanny in einem gewissen piquirten Tone, »sie applaudirte Ihnen wie ein Claqueur in der großen Oper.«

Trotz der Ironie, die durch diese Bemerkung schimmerte, brach ein freudestrahlender Blick aus dem Auge des Vicomte, und indem er sich rasch nach vorwärts beugte und einen Kuß auf Fanny's Hand drückte, flüsterte er:

»Und doch kann ich Ihnen versichern, daß mich alle diese Zeichen des Beifalls kalt ließen, und daß ich mich durch den stummen Blick einer jungen Frau, welche dicht an einer der Säulen der Zuhörertribüne stand, mehr beglückt fühlte, als durch alle diese rauschenden Acclamationen.«

Eine tiefe Röthe färbte Fanny's Stirn bei diesen Worten des Vicomte und mit banger Beklommenheit senkte sie den Blick nieder.