Er schrieb folgenden Brief an die junge Frau:

»Es liegt weder in meinem Charakter noch in meiner Kraft, den gegenwärtigen Zustand, unter welchem ich und, wenn mich nicht Alles täuscht, unter welchem auch Sie, Fanny, leiden, noch länger zu ertragen. Wie auch Ihre Entscheidung ausfalle, jedenfalls werden Sie mir nicht darüber zürnen, daß ich als Mann den Schritt gewagt und diese Entscheidung herbeigeführt habe.

»Mit einem Worte sei die glühendste Sehnsucht meines Herzens, das Glück meines Lebens ausgesprochen: werden Sie die Meine. Trennen Sie Ihr Geschick von dem eines Mannes, welchen Sie, ungeachtet ich weder seinen Charakter noch seinen Geist anzugreifen wage, nicht mehr lieben, scheiden Sie von einem Manne, für welchen auch Sie nicht mehr jenes Ideal sind, das er in Ihnen zu finden glaubte. Es ist ein schwerer Schritt, ein großes Opfer, welches ich von Ihnen verlange, theure Fanny. Gewohnheit, Scheu vor der Welt, vor Ihren Angehörigen, vielleicht auch noch ein gewisses Mitgefühl für den Mann, welcher Ihr Gatte war und der Vater Ihres Kindes ist, das Sie anbeten, selbst die Erinnerungen an gemeinschaftlich überstandene Leiden und Freuden, alles Dies wird Ihnen einen harten Kampf bereiten.

»Aber Sie haben eine kühne muthige Seele, theure Fanny, ein stolzes und doch so liebeglühendes Herz, und Sie werden siegreich aus dem Kampfe hervorgehen.

»Besser ein kurzer, scharfer Schmerz, als dieses langsame Verbluten, dieses Hinwelken der Lebenskraft in unglücklichen Verhältnissen, die für alle Theile, für Sie, Ihren Gatten, für mich, ja sogar für Ihr Kind eine Qual sind. Vor einer Trennung von Ihrem Kinde schützen Sie die Gesetze Frankreichs. Bis zum fünften Jahre gehört das Kind der Mutter. Für die spätere Zukunft überlassen Sie mir die Sorge.

»Ich dränge Sie nicht um eine Antwort. Ich verlange auch keine schriftliche, sondern möchte die Entscheidung aus Ihrem eigenen Munde hören. Fällt sie gegen mich, so ist mein Entschluß gefaßt.

»Von morgen an wird ein Wagen mit einem treuen zuverlässigen Diener täglich in den Abendstunden zwischen sechs und acht Uhr wenige Schritte von Ihrer Wohnung entfernt warten. Sobald Sie mit Ihrem Entschlusse einig geworden, bitte ich Sie, zu mir zu kommen. Meinem Diener können Sie sich ohne Furcht anvertrauen, er ist mir ganz ergeben.

»Doch zögern Sie nicht zu lange, Fanny, und bedenken Sie, daß jeder Tag der Ungewißheit für mich zu einer qualvollen Ewigkeit wird. Immer

Paris, 16. December 1849.

Ihr
Edmund von Grandlieu.«