»Und wie soll es mit dem Kinde werden?«

Fanny zuckte zusammen. Diese Frage hatte sie erwartet – und gefürchtet.

Das Kind, diese kleine Mimi! Sie wußte, daß sie der Augapfel ihres Mannes, sein höchstes Kleinod, sein Alles war, an dem er hing mit allen Fasern seines Herzens.

Und sie! Sie liebte das Kind gleichfalls mit einer verzehrenden Leidenschaftlichkeit, mit jener ungestümen, ausschließlichen Zärtlichkeit, die man oft bei jenen Frauen findet, welche in der Liebe zu ihren Kindern Ersatz für eine unglückliche Ehe, für die Gleichgültigkeit oder Abneigung, für die Kälte und Untreue des Gatten suchen.

»Antworte mir,« wiederholte Dennhardt noch einmal seine Frage, »wie soll es mit dem Kinde werden?«

Angstvoll suchte sie nach einem Ausweg.

»Ich kenne die Gesetze dieses Landes nicht,« antwortete sie endlich mit zögernder ungewisser Stimme, »aber ich stelle ihnen die Entscheidung anheim; was sie auch bestimmen mögen, ich werde mich ihnen unterwerfen.«

Walther erhob sich mit einer raschen Bewegung. Das Kind fest an seine Brust gedrückt, trat er dicht an Fanny heran, so dicht, daß ihre Wange von dem glühenden Hauche seines Athems gestreift wurde.

»Ah! Madame,« sprach er mit leiser, aber vor tiefster Aufregung bebender Stimme, »die Gesetze Frankreichs wollen Sie über Ihr, über mein Kind entscheiden lassen? Nun wohlan, so merken Sie es sich, daß ich, wenn es sich um mein Kind handelt, nur den Gesetzen in meiner Brust folgen werde. Und diese Gesetze gebieten mir, Ihnen unter keiner Bedingung die Seele eines Kindes anzuvertrauen, welches Sie verderben würden.«

Fanny war bleich geworden zum Erschrecken, während ihr Mann ihr diese schneidenden Worte in's Ohr raunte.