»Möge ich nie bereuen, was ich heute thue,« entgegnete sie.
»Nur Schwächlinge bereuen, Fanny, und Sie gehören zu jenen starken Naturen, die entweder brechen oder siegen.«
Während dieser leise gewechselten Reden hatte der Vicomte die junge Frau über einen Corridor, auf dessen weichen Teppichen die Tritte lautlos verhallten, in ein Zimmer geführt, welches den gemischten Charakter eines Boudoirs und eines eleganten Studiercabinets trug. Herabgelassene Gardinen von dunkelrother Seide, eine Tapete von ernster brauner Farbe mit Goldleisten, Sessel à la Voltaire mit violettem Sammet, fein gearbeitete Pfeiler- und Spiegeltischchen, auf welchen eine Menge kleiner interessanter Spielereien standen, zwei mäßige Bücherschränke mit wissenschaftlichen und dichterischen Werken, ein elegant gearbeiteter Schreibtisch, über welchem einige Waffen, alte Stücke aus dem Mittelalter, und das Porträt des Herzogs von Bordeaux hingen, bildeten die Ausstattung des Cabinets, dessen Atmosphäre durch die knisternde Flamme in dem Kamin von bläulichem Marmor angenehm erwärmt war.
Der junge Vicomte führte Fanny zu einem Sessel, in welchem die junge Frau wie erschöpft von einem weiten Wege niedersank, und nahm dann ihr gegenüber Platz.
Sie drückte die Hände vor die Augen, stumm und regungslos, während der Vicomte gleichfalls in tiefem Stillschweigen auf den Boden niederblickte.
Endlich nach einer langen, langen Weile ließ sie die Hände sinken, ihr Blick begegnete dem des Vicomte.
Sie sah blaß aus, sehr blaß; aus ihren Augen strahlte ein übernatürlicher Glanz und ihre Stimme klang matt und bebend: als sie flüsterte:
»Edmund ... werden wir auch glücklich sein?«
»Fanny,« und er sank vor ihr auf seine Knie, »kannst Du zweifeln? Die Sterne einer geweihten Nacht leuchten uns zu dem feierlichen Augenblicke, in dem wir den Bund für's Leben schließen, aber goldener und strahlender als alle die Gestirne des Himmels, welche dort oben glänzen, leuchtet der Stern der Liebe in meiner Brust – möge Gott mich einst vor seinem Richterstuhle verwerfen, wenn dieser Stern jemals untergehen sollte.«
»Schwöre nicht,« sprach sie, die Hand abwehrend erhebend, »Schwüre werden oft zu lästigen Fesseln, die deßhalb immer unerträglicher werden, weil man glaubt, daß man sich nicht von ihnen befreien kann, ohne die Rache der Gottheit wach zu rufen. Der freie Wille ist oft ein festeres Band als tausend Schwüre und Eide. Doch nun laß uns von den nächsten Aufgaben reden, denn Du begreifst, daß ich von heute an meinen Aufenthalt in der Wohnung Dennhardt's nur noch nach Tagen zählen kann.«