»Was giebt es da, was geht hier vor?« frug der Vorderste von ihnen, der einen schönen großen englischen Wasserhund an einer langen seidenen Schnur hielt, in französischer Sprache – und dabei glitt sein großes dunkles Auge über die Gruppe, bis er auf der jungen Frau haften blieb.
»Wir sind eben im Begriff einen Verbrecher zu verhaften, einen Aufrührer und Rebellenführer, und Sie werden uns einen Gefallen thun, wenn Sie uns bei diesem Geschäft nicht weiter stören,« antwortete in schlechtem, aber doch verständlichem Französisch der Gendarmerie-Officier, indem er die Hand nach dem Flüchtlinge ausstreckte, der beim Herzutreten der drei jungen Männer seine Waffe gesenkt hatte.
»Gemach, mein Herr,« unterbrach ihn der junge Mann, indem er zwischen den Patrouillenführer und den Verfolgten trat, »und wer giebt Ihnen das Recht dazu?«
Erbitterte es den Officier, aus dem Munde des Fremden denselben Einwurf zu hören, den ihm der Flüchtling entgegen gehalten, oder dürstete er zu sehr nach Auszeichnung und Beförderung, die ihm gewiß war, wenn er den Flüchtling einfing, genug, er vergaß alle Rücksichten der Klugheit, und ungeduldig über die Hindernisse, welche sich der Gefangennahme des proscribirten Freischaarenführers entgegensetzten, rief er brüsk:
»Ich weiß nicht, wer Sie zu dieser Frage berechtigt ... gehen Sie Ihre Wege und mischen Sie sich nicht in die Angelegenheiten Anderer ... Und nun vorwärts, Ihr Leute, nehmt den Mann und das Weib mit dem Kinde in die Mitte.«
Eine dunkle Röthe hatte schon bei den ersten Worten des Officiers die Stirne des jungen Mannes gefärbt, doch bezwang er sich so weit, daß er den Andern vollenden ließ.
Wie aber die Polizeisoldaten Miene machten den Befehl ihres Vorgesetzten auszuführen, hob er drohend seine Flinte und rief mit gebieterischer Stimme, während er zugleich mit Anstrengung den Hund, welcher sich vom Instinct getrieben auf den Gendarmerie-Officier stürzen wollte, zurückhielt:
»Wie? Unverschämter, antwortet man so auf eine höfliche Frage ... Und habt Ihr,« und er trat einen Schritt gegen den Officier vor und blickte ihn durchdringend an, »habt Ihr vergessen, daß Ihr Euch einer Grenzverletzung schuldig gemacht habt und auf dem Boden der französischen Republik steht? Habt Ihr nicht jenen Grenzpfahl gesehen?« Und er deutete auf einen blau-weiß-rothen Grenzbaum, an welchem eine Tafel befestigt war, auf welcher die Worte standen: »République française.«
»Ich könnte Euch,« fuhr er ruhiger fort, als er bemerkte, wie die Gendarmen nebst ihrem Führer verlegen wurden, »ich könnte Euch festnehmen lassen und nach Straßburg abliefern, wo man Euch den Proceß machen würde wegen Verletzung der Republik mit gewaffneter Hand, aber ich will Nachsicht üben ... Doch jetzt macht schnell, daß Ihr fortkommt, oder ich schicke Euch den Gendarmerie-Capitain Molet über den Hals, der in dem Schlosse dort,« und er deutete auf ein hinter dem Birkenwäldchen liegendes kleines Gebäude »einquartirt ist.«
Murrend und knurrend, wie eine Meute, die der Befehl des Herrn von einem Stück Wild zurückruft, welches sie eben zerreißen will, trat die Streifpatrouille den Rückzug auf das deutsche Gebiet an und war bald in dem Gebüsche jenseits des Baches verschwunden.