Er hatte das Haupt in die Hand gestützt und lauschte dem geheimnißvollen Rauschen der Meereswogen, während Mimi zu seinen Füßen im Sande spielte. Sie hatte sich einen kleinen Garten gebaut, mit Beeten und Sträußern aus Seegras und Herbstblumen, die sie mit Papa auf dem Wege zur Düne gepflückt hatte.
Das Kind liebte die Blumen leidenschaftlich. Zu jedem Maßliebchen und Veilchen bückte sie sich nieder, jeder Rose und jeder Lilie nickte sie einen Gruß zu, mit den blauen Kornblumen plauderte sie wie mit lebenden Gespielinnen, und von keinem Spaziergange kehrte sie zurück, ohne einen großen Strauß ihrer stillen Blumenfreundinnen mitzubringen.
Die Kleine klatschte jetzt freudig in die Händchen.
»Sieh, Papa,« rief sie, »mein Garten ist fertig.«
Walther betrachtete mit heiterem Lächeln das frohe blühende Kind und sein Spielwerk.
»Ach der schöne Garten, den meine Mimi sich gebaut hat,« sprach er und beugte sich zu der Kleinen nieder, die mit jenem Ausdruck glücklicher Zufriedenheit, den wir in seiner unverfälschten Reinheit nur bei Kindern finden, ihre strahlenden Blicke bald auf den kleinen Garten, bald auf ihren Vater richtete.
Mit einem Male stand die Kleine auf und frug indem sie hinauf nach dem blauen wolkenlosen Himmel deutete:
»Papa, haben die Engel im Himmel auch schöne Blumen wie wir?«
»Noch viel schönere, mein Kind,« entgegnete Walther, den die Frage etwas überraschte, »die hellen Sterne, welche wir Abends sehen, sind lauter große goldene Blumen, die dort oben im Himmelsgarten wachsen.«
»Ach! weißt Du was, Papa,« rief die Kleine indem sie ihren Papa recht ernsthaft anblickte, »dann will ich auch ein Engel werden.«