Der Stift entfiel seiner Hand.

»Ich kann nicht mehr ... Doctor ... O Gott, Gott!« Der Unglückliche wankte und wäre zu Boden gestürzt, wenn ihn der Arzt nicht aufrecht erhalten.

»Beruhigen Sie sich ... fassen Sie Muth,« raunte er dem Verzweifelten zu, »Ihre Hand traf sicherer als die meinige, die das Alter zitternd machte. Das Blut steht ... etwas Charpie aufgelegt, und wir haben Nichts weiter zu befürchten.«

Das Kind war indessen auch ruhiger geworden und schloß die Augen zu einem kurzen Schlummer, während Dennhardt todtmüde an Geist und Körper, blutend aus der tiefsten Herzenswunde, welche ihm der Schmerz dieser qualvollen Nacht geschlagen, auf seinen Sitz neben dem Bett zurücksank und lautlos vor sich hinstarrte.

»In zwei Tagen,« sagte der alte Doctor, von dem schmerzerfüllten Vater Abschied nehmend, »wird die Entscheidung eingetreten sein ... bis dahin, mein alter Freund, Geduld und Ruhe.«


Der Tag brach an, ein drückend heißer Augusttag ... die Gewitter der verflossenen Nacht hatten die Gluth nur wenig abzukühlen vermocht, die Sonne warf von dem wolkenlosen blauen Himmel sengende Strahlen auf die Erde herab, die Luft stand still, nicht der leiseste Windhauch bewegte sie.

Trotz der herabgelassenen Gardinen, der geöffneten Thür, welche auf den kühlen Vorsaal des Hauses führte, und trotz der Sprengung mit Wasser und Essig herrschte in dem Zimmer, wo die kleine Kranke lag, doch eine schwüle Atmosphäre.

Mimi war eben wieder eingeschlummert, die alte Mutter Poisson saß mit rothgeweinten Augen am Bett des Kindes und scheuchte mit einem Baumzweig die zudringlichen Fliegen ab, welche das Haupt des Kindes umschwirrten.

Dennhardt war hinaus in den Garten gegangen, um einen Strauß Blumen zu brechen.