»Meine Mimi!« murmelte mit vor Thränen halb erstickter Stimme der zur Seite des Bettes knieende Vater.
»Mein Papa,« flüsterte das Kind, mit der Linken die Blumen gegen ihr kleines matt schlagendes Herz drückend, während sie den rechten Arm mit müder Geberde um den Nacken ihres Vaters schlang, gerade so wie in früheren gesunden Tagen, wenn er die müde Kleine auf der Heimkehr von dem Spaziergange in seine Arme nahm.
Niemand war in dem Gemach, als der Flüchtling und sein Kind, sein sterbendes Kind.
»Papa,« flüsterte die Kleine, nachdem sie eine Weile mit ihren in wunderbarem, verklärtem Glanze strahlenden Augen nach dem Fenster, welches nach der Gartenseite hin lag, geblickt, »Papa ... siehst Du den schönen Engel dort am Fenster, ach ... Papa ... wie schön er sieht ... viel, viel schöner als mein Weihnachtsengel ... siehst Du ... Papa ... jetzt winkt er mir ... ach! die vielen Engel ... sie fliegen durchs Fenster ... siehst Du? draußen im Garten.«
Dennhardt's Herz wollte brechen, aber mit einer fast wunderbar zu nennenden Kraft, welche in den schmerzlichsten Augenblicken des Lebens aus einer unsichtbaren Quelle uns zuzuströmen scheint, hielt er sich aufrecht.
»Meine gute ... liebe Mimi ...« murmelte er und bedeckte die bleiche Stirn des Kindes mit seinen Küssen.
»Ich will zu Hause gehen, Papa ...« und das Kind blickte mit ihren glänzenden Augen wie in eine weite, weite Ferne hinaus, an deren Ende sie ihre Wohnung erblickte, gerade so, wie sie es zuweilen wohl gethan, wenn sie mit ihrem Papa auf einem der Hügel von Morbihan stand und weit, weit unten im Thale das väterliche Haus mit dem kleinen Blumengarten erblickte, »ich will zu Hause gehen ... Papa ...« Das Köpfchen sank leise und matt auf das Kissen zurück, die Blumen entfielen der kleinen erkaltenden Hand, die schönen lieben Himmelsaugen öffneten sich noch einmal, aber schon wie umflort von einem dunklen Schleier, mit leiser ängstlicher Stimme rief sie: »Papa ... Papa ...« und schloß dann die Augen, deren letzter brechender Blick die Gestalt ihres Vaters gesucht, zum ewigen Schlummer.
Sanft und schmerzlos trat der Todesengel zu ihr; wie eine Flamme, die den letzten Tropfen Oel verzehrt, erlischt, langsam und still, so erlosch die Flamme dieses kurzen Blüthenlebens.
Die erkaltete Hand seines Kindes in der seinigen, das Haupt an der Schulter der kleinen Entschlafenen, stumm und regungslos kniete Dennhardt neben dem Sterbebette der kleinen Mimi.
Für den Schmerz eines Vater- und Mutterherzens in diesem Augenblick giebt es keine Worte der Schilderung; man müßte die Feder in Thränen und Herzblut tauchen.