Himmel, was muß ich sehen! Der ganze Fuß eine einzige, von Makondedreck und -sand blutig verklebte Masse. Ohne Verzug gehen Stamburi, mein bewährter Lazarettgehilfe, und ich an die Reinigung des Gliedes; als es endlich bloßliegt, zeigt sich, daß der ganze Ballen bis auf die Knochen weggefressen ist; ob durch Sandflohwirkungen allein oder durch eine Summe anderer Umstände, kann ich als Laie nicht entscheiden. Endlich werfe ich einen Blick auf den Papa; wie hypnotisiert starrt der auf eine Antilopenkeule, die Nils Knudsen für die morgige Hauptmahlzeit gerade über meinen Arbeitstisch gehängt hat. Ich rufe den Edlen in die Wirklichkeit zurück, lasse ihm durch Moritz den weichsten Teil einer Wildschweinshaut überreichen und befehle ihm, einen Schuh oder doch eine Sandale, wie sie im Lande durchaus nicht unbekannt sind, daraus zu machen; denn das müsse er doch wohl selber sehen, daß das Kind mit dem neuen Verbande nicht in den schmutzigen Sand patschen könne; sein Messer habe er bei sich, er solle gleich an die Arbeit gehen! Wir beiden Medizinmänner versenken uns von neuem in die Behandlung der wirklich furchtbaren Verletzung; nach einiger Zeit ist der Verband so kunstgerecht, wie es uns möglich ist, angelegt; ein suchender Blick nach dem Vater: dieser hat sich jetzt förmlich in die Keule hineingefressen, so stier glotzt er auf das blutige Stück Fleisch. Es ist doch wirklich gut, wenn die Nilpferdpeitsche in solchen Fällen nicht allzuweit entfernt ist. Noch eine Viertelstunde später, und der dicht umwickelte Fuß des Kindes steckte wohlgeborgen in einem ganz zweckentsprechenden Schweinslederpantoffel. Aber gehört und gesehen habe ich von dem Gentleman niemals wieder etwas; auch gedankt hat er mir nicht, weder für die Behandlung — noch für die Prügel.
Negertelephon (s. [S. 356]). Unasikia? Hörst du auch?
Ndio. Jawohl!
Negertelephon (s. [S. 356]).
Knabe und Mädchen sind 8 oder 9, oder auch 10 Jahre alt geworden, ohne daß etwas Bemerkenswertes von außen in ihr Leben eingegriffen hätte. Da beschließt der Konvent der Männer, der nach der Beendigung der Ernte die große Pfeilerhalle der Barasa tagtäglich füllt, daß das Unyago in diesem Jahre hier im Dorfe gefeiert werden soll. Nachdem alle anderen Distrikte in den letzten Jahren die Lasten des Festes auf sich genommen haben, ist es Ehrenpflicht, jetzt hierher einzuladen. Dem Beschluß folgt sehr bald die Ausführung; der Mond ist stark im Abnehmen, und vor dem Neumond noch muß das Fest im Gange sein. Dieses Unyago besitzt in seinem ersten Teil bei allen Völkern des Gebietes ganz gleiche Züge: die Männer errichten auf einem in der Nähe des Festdorfes gelegenen, möglichst freien Platz einen mehr oder minder ausgedehnten Ring von einfachen Strohhütten. Auf diesem Platze spielt sich das Eingangs- wie auch das Schlußfest ab; die Hütten sind die gegebenen Wohn- und Schlafräume für die Mannbarkeitskandidaten. Ein ganz ausgezeichnet erhaltener Festplatz mit allem Zubehör war jener Kreis von 50 Meter Durchmesser, den ich bei meinem Besuch des Echiputu von Akuchikomu aufnehmen konnte; die halbverkohlten Reste einer ebensolchen Lisakassa, wie das Hüttensystem im Kiyao heißt, waren als Erinnerung an ein früheres, frohes Fest diesseits Akundonde am Wege zu sehen.
Drei Vegetarier vom Makuastamm (s. [S. 187]).