Zwischen Zweifel und Hoffnung schwankend, hat Matola mich an jenem Nachmittag erst lange angeschaut; dann hat er nach meinen Worten gehandelt. Und er hat recht daran getan, denn wie ich höre, ist die Kleine auf dem besten Wege zur Besserung. Aber erstaunlich und befremdlich ist und bleibt es, wie weit selbst ein so einsichtiger Mann wie der Herrscher von Chingulungulu den Krankheitsprozeß erst hat fortschreiten lassen, bevor er sich ernsthaft nach Hilfe umsah. Und nun gar erst ein Hinterwäldler, der mich hier oben jüngst konsultiert hat. Der Bursche erschien unmittelbar nach meinem Einzuge; sein Kind sei krank, er wolle Daua haben.
„Was hat dein Kind?“
„Eine Wunde am Fuß.“
„Aber Mensch,“ sage ich darauf, „ich kann dir doch keine Daua mitgeben, die verstehst du doch gar nicht aufzulegen, bring dein Kind her; wo wohnst du?“
„Mbali, weit, Herr“, tönt es mit merklicher Dehnung zurück.
„Wie weit?“
„Nun, zwei Stunden etwa.“
„So, du Schensi, das nennst du weit; wenn es zum Pombetrinken ginge, dann würden dir selbst 20 Stunden noch karibu sana sein. Marsch, scher dich weg, und morgen früh um 8 Uhr bist du hier!“ Wer nicht gekommen ist, weder um 8 Uhr noch auch später, das ist dieser edle Kindervater aus dem Makondebusch gewesen. Erst am fünfzehnten Tage nach jener Vorkonsultation erscheint ganz unvermutet eine von einem 5- bis 6jährigen Mädchen begleitete Männergestalt; ich denke gar nicht mehr an den kecken Burschen von dazumal, erinnere mich jedoch sofort der Begegnung, als das Kind, aller angeborenen Scheu zum Trotz, mir seinen Fuß entgegenhält.
Makondekinder.