Frau aus dem Makondestamm.

„Du darfst nicht,“ tönt es hinter dem Holzblock hervor, der den Mund der nächsten Sprecherin in riesiger Ausdehnung überdeckt, „du darfst nicht mit Freunden und Freundinnen verkehren, auch das würde deinem Kinde schaden.“

„Du darfst von jetzt ab nur noch wenig ausgehen,“ rät ihr die dritte, „zeige dich möglichst nur deinem Mann allein, denn sonst möchte dein Kind später einem anderen ähnlich sehen. Wenn du aber einmal ausgehst,“ fährt dieselbe Beraterin fort, „dann mußt du allen Leuten weit ausweichen, denn schon der Dunst dieser Leute möchte deinem Kinde schaden.“

Es steckt ungemein viel in diesen Warnungen und Verhaltungsmaßregeln. Uns Europäern ganz geläufig ist die Furcht vor dem Versehen; die Schwangere darf nichts Schreckhaftes sehen und soll auch sonst möglichst keine andere Physiognomie als die des eigenen Mannes auf sich wirken lassen. In allen übrigen Vorschriften kehrt das wieder, was man vielleicht Analogiezauber nennen könnte: schon die Möglichkeit, in den Dunstkreis von Leuten zu geraten, die vorher geschlechtlich miteinander verkehrt haben, bringt das werdende Menschenkind in Gefahr.

Aber damit noch nicht genug; jetzt folgt erst die Hauptsache.

„Du darfst fortan keine Eier mehr essen,“ beginnt eine babybehaftete jüngere Frau mit glattrasiertem Langschädel, „denn sonst wird dein Kind keine Haare bekommen.“

„Iß auch kein Affenfleisch,“ pappelt auch schon eine andere mit zitterndem Pelele dazwischen, „denn sonst wird dein Kind auch so albern wie ein Affe.“

„Iß auch nicht, was vom Vortage in deinem Kochtopf übrig geblieben ist, denn sonst wird dein Kind krank“, fällt die dritte ein.

Jetzt wendet sich die Belehrung wieder einer anderen Richtung zu: „Gehst du in die Schambe oder zum Brunnen, und es grüßt dich jemand, so danke ihm nicht, und sage ihm auch nicht Lebewohl, denn sonst würdest du lange auf die Geburt deines Kindes warten müssen“, rät ihr eine ganz Alte mit sicher sehr viel Erfahrung; eine Jüngere aber fällt wiederum ein: „Wenn dir etwas daran liegt, daß dein Kind ein ordentliches, dichtes Kraushaar bekommt, so höre fortan auf, deine Schamhaare zu rasieren.“ Das ist nämlich sonst allgemeine Sitte im Lande, ebenso wie ja auch der Kopf gern völlig glatt getragen wird. Den Schluß des ganzen inhaltreichen Kollegs, das im Gegensatz zu unserem Hochschulbetrieb von vielen Dozenten, oder, der beim Neger bereits gelösten Frauenfrage entsprechend, von vielen Dozentinnen auf nur eine einzige unglückselige Hörerin herniedergeplappert worden ist, macht die sehr ernsthaft ausgesprochene Warnung, einstweilen unter keinen Umständen mit anderen Männern zu verkehren, denn dann würde sie unfehlbar sterben; wenn aber ihr Mann sich etwa vergäße und ein anderes Mädchen berühre, dann würde sie abortieren und hinterher sterben; sie solle also gut zu ihrem Manne sein und ihm schönen Ugali kochen.