„Die Wangoni?“ frage ich daraufhin ganz erstaunt, „du bist doch selbst Mgoni.“

„Allerdings, aber es waren doch die Wangoni.“

Ich habe es für das Klügste gehalten, den Alten einstweilen nicht aus dem Konzept zu bringen, und so erzählte er weiter: „Als ich anfing einen Bart zu bekommen — heute ist Makachus kurzer Kinnbart fast weiß —, da kamen die Wangoni wieder; diesmal aber wurden wir bis zum Häuptling Namagone vertrieben, und die Wangoni waren zahlreich wie die Heuschrecken.“

Ich habe meine kostbare einzige Karte selbstverständlich stets zur Hand. Ein Blick auf sie belehrt mich, daß Namagone wirklich existiert, unter 38° 26′ östlicher Länge auf dem rechten Rovuma-Ufer; so weit nach Osten ist also schon der damalige Rückzug des einen Trupps dieser Wangoni erfolgt. Im gleichen Augenblick wird mir dieses auch schon von einigen der Beisitzer bestätigt; Kambale erzählt, daß er als Knabe bei Namagone gewesen sei, Liambaku aber, der etwas jüngere Bruder Madyaliwas, berichtet, auch er sei am Lukimua geboren.

Madyaliwa, Saidi und Makachu.

Makachu will gerade in seiner Erzählung fortfahren, da öffnet Madyaliwa, der Senior, seinen nur noch von Zahnruinen besetzten, welken Mund: „Vom Lukimua sind wir zu Kandūlu gegangen, dem Yaohäuptling. Von da haben uns die Wangoni vertrieben; erst sind wir zu Namagone gegangen und dann zu Makachu. Hier haben wir ein Jahr gesessen, dann aber sind die Wangoni auch hierher gekommen und haben uns von neuem verjagt; da sind wir bis Nchichira gegangen. Doch auch hier sind wir noch einmal von den Wangoni überfallen worden, und das ist zu der Zeit gewesen, wo schon ihr Wadachi, ihr Deutschen, eure Boma in Lindi gebaut hattet.“

Es meldet sich kein Redner weiter, also kann jetzt ich einsetzen:

„Ihr erzählt immer so viel von den bösen Wangoni, sind denn das nicht eure Brüder?“

Lebhaftes Gestikulieren ringsum: „Aber nein,“ erschallt es im gleichen Augenblick, „sie sind unsere schlimmsten Feinde.“