Schon der Empfang, wie feierlich war er! Freilich, die Neger sind Männer von Takt und guter Erziehung, ganz gleich, ob sie sich bereits mit dem weißen Kansu des Suaheli bekleiden, oder ob sie noch mit dem kümmerlichen Lendenschurz des Urmenschen einherlaufen. Es ist demgemäß ganz selbstverständlich gewesen, daß, wo ich hier im Lande auch erschien, die Spitzen des Dorfes mir mehr oder weniger weit entgegengeschritten kamen, um dem seltenen Besuch ihren Salam zu entbieten. Der Wali Abdallah bin Malim hat sie alle an Akkuratesse des Empfangs übertroffen; er ist nicht umsonst der Vornehmste im ganzen Lande, und fast möchten wir beiden, vom langen Marsch über und über bestaubten und beschmutzten Reisenden uns unseres durchschwitzten, auch sonst schon arg mitgenommenen Khakis schämen, als uns noch weit vor Mahuta die in das lange, schwarze, seidengestickte Gewand des Küstenarabers gekleidete Gestalt des Wali mit feierlicher Würde, das silberbeschlagene, kostbare Schwert in der Hand, entgegentritt.

Auch unsere Unterkunft ist vielversprechend. Durch einen unglaublich engen Schlitz in der Palisadenwand haben wir unsere schlanken Körper in die Boma gezwängt. Ei, ist die fein! Sie ist fast doppelt so groß als alle anderen im Lande, mit einer breiten Mittelallee von Kautschukbäumen und Mauritiusagaven zwischen den beiden Toren; zu beiden Seiten dieser Allee liegen die Wohnhäuser genau ausgerichtet. Angesichts des solid gebauten Rasthauses innerhalb der Boma fällt es mir sehr leicht, auf das Professorenhaus draußen an der Schlucht zu verzichten. Bald stehen unsere beiden Zelte auf dem freien Platz, Träger und Soldaten verteilen sich ihrer Gewohnheit gemäß in die Hütten und Kammern der Bomabewohner, da fühlt Abdallah bin Malim auch schon das Bedürfnis, mir seinen Besuch zu machen. Er ist noch immer festlich gekleidet; das berechtigt ihn seiner Ansicht nach wohl am meisten dazu, Knudsens Liegestuhl für sich in Anspruch zu nehmen. Ich für meine Person habe wieder einmal stark mit meinem linken, auf dem „Prinzregent“ versprungenen Fuß zu tun, der mir die ganzen Monate hindurch eine Unsumme von Pein und Schmerzen verursacht hat; auch jetzt ist er wieder arg geschwollen und will gekühlt sein. Abdallahs Stimme ist nicht melodisch, um so rascher aber ist der Tonfall, der den wulstigen Lippen des Wali entströmt. Wie ein Wasserfall geht das, es rollt, donnert, braust und zischt. Ja wirklich, es zischt: wie eine Rakete saust es durch die Luft; klatsch! spritzt es vor meinen Füßen auf. Ich bin in die Pflege meines unglücklichen Hinterbeins sehr vertieft und schaue kaum auf. Hscht — klatscht schon wieder eine Ladung seitwärts vor mir nieder. Jetzt werde ich auf den anscheinend doch recht interessanten Würdenträger aufmerksam, und wahrlich, er hat es verdient; eine solche Virtuosität im Spucken dürfte selbst für den größten Yankeekünstler auf diesem Gebiet ein unerreichbares Ziel bleiben! Ich habe allerhand Hochachtung vor den von der deutschen Regierung eingesetzten Organen, selbst den farbigen, aber im Interesse meiner Selbsterhaltung habe ich es doch vorziehen müssen, den Wali durch Knudsen auf das Unziemliche seines Betragens hinzuweisen; nicht einmal die Schensi täten das in Gegenwart des Bwana kubwa, da würde er es als feiner Mann wohl erst recht lassen können. Der Hinweis hat auch sofort geholfen.

Der Wali von Mahuta.

Es ist morgens 8 Uhr; die Sonne steht schon ziemlich hoch in ihrer Bahn, die zu dieser Jahreszeit vollkommen senkrecht über Mahuta hinwegführt; mit unendlichem Behagen schlürfen die beiden Europäer die würzige Morgenluft. Mahuta ist aber auch der reine Luftkurort; nichts von lästiger Hitze und unbehaglicher Kälte; kein Nebel und kein Sturm; ein treffliches Trinkwasser am nahen Plateaurand; eine reinliche Barasa und Hühner in Menge; da schmeckt die Morgenzigarre, daß es eine Lust ist. Da horch! Ist das rollender Donner in der Ferne, oder machen die Makonde Krieg mit uns? Näher kommt’s, lauter und lauter wird das rollende, rhythmische Geräusch; jetzt vermag das Ohr auch schon verschiedene Ursprungsrichtungen zu unterscheiden; von Osten kommt’s und von Westen und anscheinend von Norden auch. Unverkennbar mischt sich nunmehr Gesang in den Trommelton, denn solcher ist’s. Wir treten aus dem Schutz des Daches und hinter den Zelten hervor, da quillt es auch schon herein durch die engen Pforten: einer hinter dem andern, immer mehr und mehr, als wolle es nie enden. Schon sind die schwarzen Massen in der Mitte des geräumigen Bomaplatzes zusammengestoßen, doch von beiden Seiten her strömt es noch immer von neuem herzu; die Allee ist voll, das schwarze Meer breitet sich über die Seitenteile des Platzes aus; es wogt und wallt, die Trommeln donnern, die Stimmen kreischen, trillern, singen; über dem allen an langen Stangen wehende Fahnen, schön bunt zu schauen wie geblümte Taschentücher; ganz hoch oben aber unabsehbare Scharen flockiger Zirruswölkchen und strahlender Sonnenschein. Es ist ein Bild, einzig in seiner Art, und sicherlich angetan, in seiner Wildheit den Pinsel eines Brueghel zu locken.

Mutter und Kind.

Mehrstöckige Häuser am Rovuma bei Nchichira.


GRÖSSERES BILD