Malen kann ich nun zwar nicht, aber wozu habe ich denn 30 mit Platten wohlbewaffnete Kassetten; heraus mit euch aus Ledersack und Tasche! Doch wohin sich wenden bei dieser Überfülle von Motiven? Hier ein gewaltiger Kreis von Männern, Frauen und Kindern; in rasendem Takt donnern sechs gewaltige Trommeln zum Himmel, rhythmisch, wie von Geisterhand bewegt, regt die ganze, große Schar Arm und Bein, Mund und Hand im Takte. Und hinter diesem Riesenkreis, was ist das? Nun, Mädchen sind’s in jugendlicher Schlankheit und doch knospender Fülle. Im höchsten Diskant durchschwirrt ihr Triller die Luft, klapp klapp klapp klapp klapp arbeiten die hochgehobenen Handflächen gegeneinander. „Ä, die Liquata — Menschheit ist doch recht ideenarm.“ Enttäuscht wenden wir uns weiter; dort ganz hinten, die ganze Hälfte der einen Platzseite beanspruchend, exerzieren ein paar Schützenlinien im Feuer, aber echt afrikanisch. Deckung verschmäht der Neger, er ist Fatalist; trifft’s ihn, nun Inschallah! Das kommt ganz treffend in der Majimaji-Ngoma, der mimischen Darstellung des letzten Aufstandes, zum Ausdruck; unbekümmert selbst um das unheimliche rak-rak-rak-rak der „Bumbum“, jener teuflischen Maschinen, aus denen die Wadachi, diese verfluchten Deutschen, gleich tausend Kugeln in der Minute auf den Gegner schleudern, stürmt die schwarze Angriffslinie vorwärts. Vergebens: nicht einmal die starke Daua des Hongo, des kriegsgewaltigen Zauberers, schützt vor Tod und Verderben. Und da flutet auch schon der Gegner heran; sollen sie standhalten, die Majimaji? Die Bajonette der Askari sind scharf und spitzig, instinktiv taumelt die ganze Linie zurück, soweit das „Schlachtfeld“ es gestattet; unter heulendem Gesang stürmen sie gleich darauf wieder vor. Das wiederholt sich stundenlang.

Yao mit Ziernarben.

Mit Kamera und Kino habe ich getan, was in meinen Kräften steht; sie sind jetzt erschöpft, ebenso der Plattenvorrat. Die Sonne ist mittlerweile auch bis zum Zenit emporgeklommen; ermüdet, hungrig und durstig steht und lungert mein schwarzes Halbtausend unter den schattenlosen Kautschukbäumen herum. Uns aber rufen die Köche zu Suppe, Huhn und Bananeneierkuchen.

Makonde mit Ziernarben.

Abdallah hat es zu gut gemeint mit seinem Zustrom von Eingeborenen; eine solche Menge am gleichen Tag, die nützt mir nichts, das habe ich schon am ersten Morgen gesehen. Nach einiger Zeit hat es auch der Wali begriffen. Da hat er die Jumben von nah und fern von neuem entboten und hat ihnen eine lange Rede gehalten: „Morgen kommst du mit deinem Dorf, um 8 Uhr“ — der Arm zeigt im Winkel von 30° genau nach Osten — „und mitbringen sollt ihr midimu und mitete, Tanzmasken und Schnupfbüchschen, soviel ein jeder davon hat; und auch alle anderen Dinge sollt ihr mitbringen, die ihr in Haus und Hof, in der Schambe und im Pori habt; der weiße Mann liebt diese Dinge, und er wird euch Heller und Rupien dafür zahlen. Und übermorgen“, fährt er zum nächsten gewendet fort, „kommst du mit deinen Leuten, und auch ihr bringt alles mit, was ich eben aufgezählt habe.“ Zum Zeichen des Verständnisses fährt der Jumbe salutierend mit seiner Hand an die Mütze; dann folgt der nächste, und so fort.

Matambwe- und Makuafrau mit Ziernarben.

Das neue System bewährt sich gut; morgens habe ich volle Muße, die Leute einzeln zu photographieren, Tänze und Spiele auf den Kinofilm zu bannen, Walzen zu füllen und anderes mehr zu treiben; der Mittag verfließt im Studium der unsagbar mannigfaltigen Körperverzierungen der hiesigen Eingeborenen; der Nachmittag endlich ist den Männern und dem Feilschen um ihren materiellen Kulturbesitz gewidmet.