Nein, diese Weiber! Eng aneinander geschmiegt, die Köpfe einheitlich nach vorn und zu Boden gesenkt, steht eine Schar von 30 bis 40 Makondefrauen in einem Winkel der Boma von Mahuta. Bis jetzt hat es noch geplappert und geschwatzt, daß es eine Art hatte; da naht der fremde Mann im gelben Rock, und alles ist mäuschenstill; nur die 20 bis 30 Babys auf dem Rücken und den Hüften ihrer Mütter schnarchen weiter, brüllen oder suchen den mütterlichen Born. Längst kenne ich den Umgang mit Frauen, ein Scherz, und verflogen ist die Scheu, die Gesichter fliegen hoch, die richtige Stimmung ist da. Sie ist auch nötig, denn was gibt es an diesen Köpfen und Leibern alles zu sehen! Nur das frohe Lachen ringsum veranlaßt die einzelne, sich vom weißen Mann begucken und vielleicht auch berühren zu lassen. Sodann aber ist der Fremde ja auch unermeßlich reich, ganze Säcke und Kisten voll Pesa hat er mitgebracht, und jeder schwarzen Frau läßt er durch seinen Diener blankes Geld zahlen, wenn sie alles tut, was er will; die Freundin aus dem Nachbardorf hat es gesagt, und die muß es doch wohl wissen.

Makuafrauen mit Ziernarben.

Der bisherige Verlauf meiner Reise hat mir bereits so viele Auswüchse menschlichen Eitelkeitstriebes gezeigt, daß ich mich gegen weitere Überraschungen völlig gefeit wähne. Kurzsichtiger Tor, der du bist, du Fremdling aus Uleia, so raunt mir der Makondebusch zu, dring ein in meine Tiefen, da siehst du Wunder über Wunder! Und ein Wunder will es mich wirklich dünken, daß diese zarten Lippen so ungeheure Massen schweren Holzes in sich tragen können; riesengroß, eine Hand breit im Durchmesser und drei Finger breit in der Höhe, klemmt sich das Ungetüm von Klotz, den die Hand der eitlen Trägerin mit feingeschlämmtem Kaolin täglich schneeweiß zu färben versteht, in den schmalen, straffgespannten Saum der so grausam durchbohrten, ausgeweiteten Oberlippe. Als die Kleine noch ein Kind war, da hat es begonnen; da kam ein böser Onkel und stach sie in den Mund, daß es arg blutete. Das Blut ist gestillt worden, aber das Loch ist geblieben. Erst hat die Mama einen feinen Strohhalm hineingetan und dann immer mehr und immer mehr, und dann haben sie eine kleine Rolle hineingesteckt in die Öffnung; ein Palmfiederblatt ist es gewesen. Das hat gespannt, daß man förmlich merkte, wie das Loch sich geweitet hat. Und dann ist ein großer Festtag gekommen, und sie haben ihr einen Holzpflock in die Lippe gesteckt. Das ist der erste gewesen; dem sind seither viele andere gefolgt, aber stets ist einer größer gewesen als der andere. Immer hat sie ihr Mann geschnitzt, und jedesmal, wenn er aus dem Pori heimkommt, bringt er die feine, weiße Erde mit. Ja, sie hat einen guten Mann, deswegen heißt sie ja aber auch Ngukimachi, das will besagen, daß sie gar keinen Anlaß hat, ihn zu betrügen, wie es alle die anderen Frauen mit ihren Männern tun. Aber er weiß auch, wie gut gerade ihr das Pelele steht; das ragt so geradeaus in die Weite, daß es eine wahre Lust ist zu schauen; und wenn sie nun gar erst lacht, dann blitzen ihre Zähne in schimmernder Pracht. Wie häßlich sind dagegen jene Alten dort! Denen sind die Zähne schlecht geworden; und wenn sie die Ugalikugel, die sie mit zitternder Hand aus dem Breiberg heraus geformt haben, zum Munde führen, dann sieht das schrecklich aus; wie in einem dunkeln Abgrund verschwindet die Speise in dem zahnlosen Munde, nachdem die andere Hand das Pelele vorsichtig emporgehoben hat.

Makondefrau mit besonders „schönen“ Ziernarben.

Und gar jene beiden anderen erst, wie sind die zu bedauern! Sie sind beide noch jung, die eine ein Mädchen, die andere eine junge Frau, aber stets traurig sind sie; sie haben auch beide Anlaß dazu, denn der Schmuck des Pelele ist ihnen versagt. Wieviel Daua hat die Mutter und auch der Onkel ihnen schon auf den Mund gestrichen, doch immer schlimmer und böser ist die Wunde geworden. Ein ganzes Loch hat der Eiter schon gefressen, und bei der Großen ist die Lippe nun ganz auseinandergefallen; sie sieht mit ihren großen, breiten Zähnen, die so weiß durch die Lippe schimmern, jetzt aus wie der Sungura, der Hase. Schön ist das nicht, und auch der weiße Mann mit seiner großen Dauakiste wird sie nicht heilen können. Daher sind sie auch wohl so traurig.

Ein mißglückter Verschönerungsversuch. Makondemädchen mit vereitertem Peleleloch.

Auch Alitengiri dort drüben ist ernst; bei ihr zu Hause ist der Tod ständiger Gast; er hat in ihrer Sippe jüngst so reiche Ernte gehalten, daß nicht einmal ihre Schambe bestellt werden kann. Sonst ist sie doch so lustig gewesen und hat zu plappern gewußt, daß das Pelele kaum zu verfolgen war. Und ein schönes, großes Pelele hat sie gehabt, so groß, daß die Lippe es kaum noch zu tragen vermochte. Jetzt sieht sie stark verändert aus; sollte sie krank sein? Oder ist das Pelele etwa gar geschrumpft? Aber das geht doch nicht, das ist ja aus Holz; erkundigen wir uns doch einmal, was ihr fehlt. — Nein, sie ist doch auch zu hochnasig, die Alitengiri, nicht einmal geantwortet hat sie mir; ganz stumm und dumm hat sie dagestanden! Aber ich habe es wohl gesehen, sie hat gemogelt. An ihrer Lippe hat sie etwas; die ist sicher zerrissen, und da hat sie sie geflickt; ich habe den blauen Zeugstreifen sehr wohl bemerkt, den sie über jene Stelle gepappt hat. Und jetzt darf sie nicht sprechen und auch nicht einmal lachen, denn dann reißt die Wunde wieder auf.