Pseudochirurgie. Makondefrau mit künstlich zusammengefügtem Lippenrand.

In den Abmessungen ihrer Lippenscheiben schlagen die Makondefrauen um Mahuta zweifellos alle ihre Schwestern im ganzen weiten Süden; Klötze von 7, ja 7½ Zentimeter Durchmesser und 3 bis 5 Zentimeter Höhe sind nichts Seltenes. Zählt man zu dieser hier stets schneeweiß schimmernden Mundzier die fast nie fehlenden schwarzen oder weißen, runden Scheiben in den talergroß aufgeweiteten Ohrläppchen, so machen diese drei Schmuckstücke allein schon ein Ganzes aus, das man auf dieser Erde in solcher Absonderlichkeit nicht wieder findet. Jedoch der Makondefrau genügt das nicht; wozu hat sie ihre schönen braunen Wangen und die von krausem Wollhaar umrahmte Stirn, den schlanken und doch kräftigen Arm, die üppige Brust, den schlanken Leib und den glänzenden Rücken? Drüben die Nachbarin, die läßt schon lange den Fundi kommen; der macht Schnitt auf Schnitt in die sammetweiche kühle Haut, und dann reibt er feine Daua, selbstgebrannte Pulver, in die kleinen Wunden. O, das tut sehr weh, aber es sieht doch auch gar zu schön aus, wenn erst alles verheilt ist. Doch das dauert noch lange, denn mit einemmal geht das nicht; immer wieder schneidet der Fundi an dieselbe Stelle, Schnitt neben Schnitt. Endlich wird er einmal fertig werden; ach, wird dann die Nachbarin schön sein! Es wird wohl nicht anders gehen, auch sie muß den Fundi bitten.

Rückenziernarben einer Makuafrau.

Die Zahl der Ziernarbenmuster, mit denen die Makondefrau Gesicht und Körper, diesen bis zum Gesäß und bis zu den Oberschenkeln hinunter, schmückt, erweckt auf den ersten Anblick den Eindruck, als sei sie Legion; in Wirklichkeit lassen sie sich auf eine nur verblüffend geringe Anzahl von Elementen zurückführen. Der Neger von heute hat für diese Grundbestandteile Namen wie Chitopole, die Taubenfalle, oder Chikorombwe, der Fischspeer, oder Teka u. a. m. Jenes erste Muster ist ein Bügel, wie ihn die Taubenfalle in der Tat besitzt; das Chikorombwe gleicht mehr einem Tannenbaum, die Teka einer Chitopole mit Mittelachse. Ob diese Muster in irgendwelcher Beziehung zur Taubenfalle oder zum Fischspeer stehen, kann ich nicht sagen, denn auch die Eingeborenen wissen es nicht; aber so viel weiß ich bestimmt, keins dieser Muster kann heute mehr als wirkliches Stammesabzeichen gelten. Als Neuling im Fach huldigt man dieser Ansicht so lange, bis man eines anderen belehrt wird; bei mir hat der alte Makachu dies in trefflichster und kürzester Weise besorgt. Der alte Herr ist über und über mit Mustern bedeckt, mit ganz den gleichen, wie sie die Frauen hierzulande tragen, nur daß bei ihm manche schon recht verwittert und verwischt sind.

„Warum trägst du das?“ frage ich ihn, in der sichern Erwartung, ein langes Kolleg über Stammeszeichen und ähnliche Einrichtungen zu hören zu bekommen.

„Ninapenda, es gefällt mir so“, ist die ganze Antwort des Riesen.

Bauchtätowierung eines Makondemannes.