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Nach Aussage der Sänger, die vorwiegend Nubier sind, ist das Lied im Dialekt von Dar For abgefaßt, ihrer Muttersprache. Eine wörtliche Übersetzung ist für mich noch nicht zu erlangen gewesen. Dem Inhalt nach bedeutet der mit beneidenswerter Lungenkraft und bewunderungswürdiger Ausdauer gesungene Text etwa folgendes:

„Wir sind allezeit stark. Der Jumbe ist aufgehängt worden, auf Befehl Gottes. Der Hongo, der Rädelsführer im Aufstand, ist gestorben; auf Befehl Gottes.“

So viel über die Ergebnisse meiner musikalischen Forschung, soweit sie den hier landfremden Elementen der Wanyamwesi und der Nubier angehören. Ob die Ngomenlieder, die ich in Lindi bisher von den Angehörigen einiger Binnenlandstämme, vor allen der Yao, auf der Walze niedergelegt habe, gelungen sein werden, kann ich noch nicht sagen, da, wie ich zu meinem Entsetzen merke, meine Aufnahmewalzen unter der Wirkung der feuchten Wärme anfangen weich zu werden, so daß ich zwar Aufnahmen machen, aber keine Wiedergaben riskieren kann, ohne die ganze Aufnahmeschicht zu gefährden. Schöne Aussichten für die Zukunft!

Psychologisch hochinteressant ist das Verhalten der Naturkinder meinen verschiedenen Apparaten gegenüber. Die photographische Kamera ist, wenigstens an der Küste, nichts Neues und Ungewohntes mehr; mit ihr hat man demgemäß auch weniger Schwierigkeiten, auch zeigen sich die Eingeborenen über die Ergebnisse des Verfahrens nicht merklich erstaunt. Als Übelstand kommt höchstens in Betracht, daß die Angehörigen des weiblichen Geschlechts sich der Aufnahme meist durch schleunigste Flucht zu entziehen wissen. Dem war schon in Daressalam so. Ganz ohne Verständnis hingegen steht das Volk dem Kinematographen gegenüber; er ist eine „Enchini“, eine Maschine, wie so vieles andere auch, was der „Msungu“, der Weiße, mit ins Land bringt; und wenn nun der Weiße eine zierliche Kurbel an dem kleinen schwarzen Kasten dreht und in dumpfem Rhythmus dabei zählt: 21, 22, 21, 22, so heimelt den Schwarzen wohl dieser Rhythmus an, da seine Arbeitslieder im allgemeinen von derselben stumpfsinnigen Einförmigkeit sind, aber was bei dem ganzen Vorgang herauskommen soll, versteht er nicht im mindesten; auch ist es ihm vollkommen gleichgültig.

Mädchen aus Lindi.

Aber der Phonograph, der ist eine Enchini ganz nach dem Herzen des schwarzen Mannes und auch der schwarzen Frau. Es wird für mich immerdar, und sollte ich steinalt werden, eine der nettesten Erinnerungen meines Afrikaaufenthaltes bleiben, wie auf dem Deversschen Hof in Daressalam sich ein paar Angehörige des zarten Geschlechts mit dem Apparat abgefunden haben. Nachdem auf dem hinten im Eingeborenenviertel gelegenen Festplatz die Ngomen der verschiedenen Völkerschaften, hier der Manyema, dort der Wasaramo, drüben irgendeines Küstenklubs, sich in ihren zum Teil scheußlichen, aber durchweg malerischen Kostümen genugsam produziert hatten, war ich an der Spitze eines nach Hunderten zählenden Teils der Tänzer und Tänzerinnen vor mein Zimmer gezogen, um hier auch den gesanglichen Teil festzulegen. Alles war nach Wunsch gegangen; jedesmal aber, wenn ich die Membranen gewechselt und statt des Aufnehmers den Wiedergeber eingeschaltet hatte, und wenn dann der vielgliedrige Gesang in genau demselben Rhythmus und in genau derselben Klangfarbe, mit der er in den geheimnisvollen Trichter hineingesungen worden war, wieder aus ihm hervorquoll — welch grenzenloses und dabei doch freudiges Erstaunen malte sich dann auf den von der Anstrengung des Singens und Tanzens so schweißglänzenden Gesichtern! Ganz unfehlbar fiel in jedem Einzelfall der Chor naiver Seelen ein, um allerdings von den „gebildeteren“ Elementen sehr bald durch spöttisches Gelächter eines Besseren belehrt zu werden.