Doch soll ich den Nigger enttäuschen? Keinesfalls; wir haben an Prestige sowieso nicht viel mehr zuzusetzen. So antworte ich ihm denn: Ndio, elfu elfu elfu und belasse es bei den 60 Milliarden.

Und wieviel Askari hat der Sultani ya Uleia, der deutsche Kaiser?

Hier konnte ich ruhig bei der Wahrheit bleiben, denn in bezug auf unsere Wehrmacht sind wir Gott sei Dank einstweilen noch allen möglichen Gegnern über.

„Wenn wir keinen Krieg machen, haben wir 600000 Askari; wenn wir aber Krieg machen, dann sind es 6 Millionen.“

Nakaam ist keiner von denen, die sich leicht imponieren lassen, aber als er jetzt stumm nachrechnete: 6 mal elfu elfu elfu, da wuchsen wir in seinem Ansehen ganz offensichtlich. Doch er ist nicht nur kritisch veranlagt, sondern auch mit der Tagesgeschichte wohlvertraut.

„Nicht wahr?“ sagt er, „in dem großen Kriege zwischen den Russen und den Japanern haben die Russen Haue bekommen?“ Diese Tatsache konnte ich allerdings mit dem besten Willen nicht wegleugnen, doch hielt ich es für durchaus angebracht, meiner bejahenden Antwort in einem Atem hinzuzufügen, das wolle nichts bedeuten, denn wir, die Wadachi, wir seien viel stärker als sie alle zusammen, als die Russen, die Japaner und auch die Engländer. Nakaam setzte jetzt endlich eine überzeugte Miene auf; aber ob sie wirklich echt gewesen ist, wer kann das bei diesem schlauen Fuchs ermessen.

In der Geographie hatte bis vor kurzem mein Boy Moritz die beste Note; er hielt seinen Freunden, und auch wer ihm sonst zuhören mochte, lange Kollegien über Uleia und Amerika, sprach von Berlin, Hamburg und Leipzig und erklärte dem wißbegierigen Auditorium mit gleichbleibender Geduld, welchen Daseinszweck auf dieser Erde nun auch ich, sein Herr und Gebieter, dort im fernen Uleia habe. Ich sei der Bwana kubwa eines großen, großen Hauses, und in diesem großen Hause, da seien die Matten und die Stühle und die Töpfe und die Löffel und die Kokosreiber aller Völker der Erde, und ich sei hier ins Land gekommen, um nun auch von hier alle diese schönen Dinge nach Uleia zu bringen. Moritz war also, das muß man billig anerkennen, ein ganz guter Interpret meiner Ziele, aber sein Ruhm war verblaßt, als ein paar Tage vor unserm Abmarsch von Massassi Ali, der Weitgereiste, von Lindi herauf nach Massassi gekommen war, um von neuem in Knudsens Dienste zu treten. Jetzt verstummte Moritzens quäkige Stimme, denn nun konnte Ali berichten, was er mit eigenen Augen in Berlin und Hamburg gesehen hatte. Als Diener eines weißen Herrn war er in der Tat im fernen Deutschland gewesen. Nur daß er Leipzig nicht kannte, betrübte ihn.

Ältere Makonde-Frau im Festschmuck.


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