Ins Deutsche übertragen heißt das:

„Reise Linders; ging nach Massassi und (ich) schrie aus allen Kräften: Teilen Sie mit dem Bwana kubwa: Krieg ist gekommen, und ich bin weggelaufen, ohne mich umzuschauen. Teilen Sie mit dem Akiden Matora: Krieg ist gekommen, und ich habe geschlagen die Lilombe (die Kriegstrommel). Dann gingen wir nach Massassi; die Mwera (aber) gehen ge(zer)schlagen bis Lindi (zurück). Dann bekommen sie Rukhsa (Erlaubnis): Gehen Sie nach Ihrer Heimat; pflanzen Sie Hirse.“

Tempo: rasend; Vortragsart: parlando; Inhalt: in wenigen Worten die Geschichte des ganzen Feldzuges, selbstverständlich mit der Person des Sängers als seinem eigentlichen Mittelpunkt. Herr Linder kommt auf einer seiner vielen Inspektionsreisen — eine seiner vornehmsten Pflichten ist die Kontrolle der einzelnen Jumbenschaften, ob sie auch die vorgeschriebenen verschiedenartigen Nutzpflanzen kultiviert haben oder nicht — nach Massassi. Dort ist es selbstverständlich Freund Likosoe, der in deutschtreuer Gesinnung zu ihm eilt und ihn vor den bösen Wamuera warnt. Linder benachrichtigt seinerseits das Bezirksamt in Lindi, schickt aber gleichzeitig auch Likosoe als Eilboten zum Yaohäuptling Matola. Dort schlägt Likosoe die Lilombe, die Kriegstrommel. Matolas Krieger eilen auf das bekannte Alarmzeichen zusammen, 600 Mann mit Vorderladern, viele andere aber mit Speer, Bogen und Pfeilen; dann marschiert der Häuptling mit seinem Heer auf Massassi, um von hier aus den Wamuera in den Rücken zu fallen. Nun wird als Tatsache erzählt, daß Seliman Mamba und seine Unterführer zu Beginn des Aufstandes, als ihre Siegesaussichten besonders groß waren, die Deutschen schon in den Ozean geworfen sahen; in Lindi war für jeden der Führer bereits ein besonderes Haus mit allem Inhalt als Beute bestimmt. Auf diese allerdings nicht verwirklichten Pläne mag sich die Stelle vom Zurückgehen des Feindes bis nach Lindi beziehen. Matola hat zwar, wenn ich nicht irre, in den Gefechten mit den Aufständischen gegen 40 Mann verloren, aber bis nach Lindi zurückgetrieben hat er den Feind doch keineswegs. Der Schlußsatz behandelt dann den Friedensschluß; die Besiegten erhalten Verzeihung und zugleich die Anweisung, sich jetzt ruhig und friedlich in ihre Heimat zurückzubegeben, um dort neue Pflanzungen anzulegen.

Yao-Ngoma in Chingulungulu.

Auch mein Kinematograph hat in den Wochen meines Aufenthalts in Chingulungulu mehrfach zu tun gehabt; ich habe eine ganze Reihe von Yaotänzen und auch solche der Makua aufnehmen können. Dieser Stamm ist bekanntlich das Jägervolk par excellence des Ostens; man bezeichnet sogar jeden Berufsjäger ganz allgemein als Makua, ganz gleich, welches Stammes er auch sei; auch in bezug auf alle Jägersitten und Jagdmethoden, über die ich mich sehr bald werde auslassen können, sind die Makua für alle anderen Völkerschaften vorbildlich. Was Wunder also, wenn die Truppe, die auf Anordnung Matolas eines schönen Tags in Chingulungulu erschien, mir einen Tanz vorführte, der in seiner ganzen Ausdehnung ihrem Jägerleben entnommen war; sie wollten die Makwaru aufführen, wie sie sagten. Rasch wie immer hatte ich meinen Kino zur Hand und an geeigneter Stelle aufgebaut. Das ist hier bei dem lockeren Aufschüttungsboden keine Kleinigkeit; drückt man die spitzen Füße des Stativs zu derb in den Sand, so kann es passieren, daß das ganze Stativbein plötzlich verschwindet; ich bin also vorsichtig geworden und treibe vor jeder Aufnahme schräg von oben unter jedes Bein einen Holzkeil. Schwieriger noch ist die Remedur einer falsch angebrachten Sparsamkeit; um dem Afrikafonds des Deutschen Reiches ganze 12 Mark und einen viertel Träger zu ersparen, habe ich für den Ernemann-Kino nicht das zu diesem gehörige schwere Stativ mitgenommen, sondern begnüge mich mit meinem Photographenstativ. Das ist, wie alles, was mir Gebrüder Grundmann in Leipzig geliefert haben, für seinen eigentlichen Zweck vorzüglich geeignet, für die Erschütterungen des ruckweise arbeitenden Kinematographen aber ist es reichlich leicht. Deswegen hänge ich entweder einen derben, schweren Stein unter ihm auf, oder aber eine gefüllte Reisekiste; und wenn es ganz schlimm wird, muß sich sogar einer der Träger als Schwergewicht opfern.

Der Makwaru gewärtig stehe ich da; mir gegenüber hat sich inzwischen genau die gleiche Kapelle etabliert, wie ich sie von Sulilas und Likosoes Auftreten gewohnt bin: sechs oder sieben Männer und Jünglinge, die, des Beginns der Vorstellung gewärtig, mit je zwei Holzschlegeln über langen, weißen Holzstangen kauern. Da huscht ein phantastisch aufgeputztes schwarzes Etwas in den Kreis. Es bewegt sich mit so raschen Zitterbewegungen, daß zunächst nicht zu erkennen ist, ob ich Mann oder Frau vor mir habe. Erst eine kurze Atempause zeigt uns einen Mann in mittleren Jahren, die Mitte des Körpers eingehüllt in einen ganz in der Art unserer Ballettröckchen aus langen, grünen Blättern gefertigten Schurz. Und wie fliegt dieses Röckchen im Winde! Der Mann bewegt sich zunächst kaum von der Stelle. Er arbeitet in einem schnellen, gleichmäßigen Tempo mit den Füßen; doch auch die Unterarme sind in einer Bewegung, die schwer zu schildern ist, da wir in unserer europäischen Tanzweise nicht das geringste Vergleichsmoment besitzen; alle vier Extremitäten sind in einer durch die Kapelle bestimmten rhythmischen Bewegung. Ob sich die Mittelpartie des Körpers mit dem unausgesetzt fortgeführten Hin und Her diesem Takt anschließt, ist wieder sehr schwer zu entscheiden, da diese Zitterbewegung so schnell erfolgt, daß Einzelheiten überhaupt nicht zu sehen sind. Dieses Stadium dauert eine ganze Weile, so daß es mir fast um meinen kostbaren Kinofilm leid tut.

„Waldschule“ im Pori bei Chingulungulu.


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