Endlich geht auch dieses Lied zu Ende, der Reigen löst sich auf; nach allen Seiten eilen die Frauen auseinander, kehren aber sofort zurück, um Hirse, Maniok, Kleidungsstücke u. dergl. vor den fünf Lehrerinnen niederzulegen. Diese haben sich inzwischen zu neuem Tun gerüstet; das erstaunte Auge des Weißen sieht, wie ein Ei zerschlagen und von dem Gelben den fünf Novizen etwas auf die Stirn gestrichen wird; ein anderer Teil dieser Masse wird mit Rizinusöl vermischt und den Mädchen auf Brust und Rücken gesalbt. Das ist das Zeichen der Reife und des beendeten Unyago. Überreichung von noch mehr neuen Stoffes an die Mädchen bildet den Schluß.

Damit scheint der erste Teil des Festes zu Ende zu sein. Sefu macht mich aufmerksam auf eine bestimmte Stelle des Festplatzes, an der ein einfacher Stock dem Boden entragt; unter diesem Stock seien Medizinen vergraben, die zum Unyago gehören; an einer anderen Stelle aber sei schon vor Monaten ein großer Topf mit Wasser in die Erde versenkt; dieser sei auch Medizin.

Noch während dieses Privatkollegs hat sich der Schwarm der Weiber von neuem geordnet. Nach einem Triller, der selbst uns Fernstehenden die Trommelfelle fast platzen macht, ein Emporfliegen aller Arme mit einem Ruck; im nächsten Augenblick sausen sie auch schon wieder hernieder, um von nun an mit jenem Händeklatschen, das in dieser Virtuosität nur den Anwohnern des Indischen Ozeans eigen zu sein scheint, folgendes Lied zu begleiten:

„Kanole wahuma kwetu likundasi kuyadika kuyedya ingombe.“

Zu deutsch heißt dies etwa: „Seht euch einmal das Mädchen an, sie hat einen Perlenschurz geliehen und versucht nun, ihn kokett und elegant zu tragen.“

O, ihr Weiber, knurre ich bei Sefus Übersetzung; ihr gleicht euch überall, eitel auf der einen, boshaft auf der andern Seite. Das Lied ist ein Spottgesang; es bezieht sich auf ein Fräulein Habenichts, die in geborgtem Putz erscheint. „Der wollen wir es anstreichen“, sagen, nein singen die anderen.

Und jetzt nehmen sie sogar mich vor:

„Ignole yangala yangala meme mtuleke weletu tuwakuhiyoloka“,

singen sie. Dem Sinne nach heißt das etwa:

„Ihr, die ihr hier (bei der Unyago) zusammen seid, freut euch, belustigt euch. Wir, die wir hierher gekommen sind, wir wollen nicht mitspielen, wir wollen bloß zuschauen.“