Türverschluß bei den Makonde von Jumbe Chauro.

Mit nicht geringem Selbstbewußtsein hat mir erst ein Hausvater diese größte Erfindung des Hochlandes an Ort und Stelle vordemonstriert, und dann ein anderer; beide Male habe ich ein bewunderndes „Msuri sana, sehr schön!“ ausgerufen und den Wunsch geäußert, diese Wunderdinge mit nach dem fernen Uleia zu nehmen, um dort den Wasungu zu zeigen, was für tüchtige Kerle die Makonde seien. Noch bin ich keine fünf Minuten in meinen Windfang von Newala zurückgekehrt, da keucht es auch schon heran; im selben Augenblick senken sich zwei stattliche Bäume vor meinen Augen nieder, und feierlich, wie nach siegreicher Belagerung, überreichen mir zwei stark schwitzende Gestalten die Schlüssel zum Tor der gefallenen Feste. Zum Schlüssel gehört auch das Schloß, hatten die beiden Kommandanten ganz logisch gedacht; ein Griff nach der Axt, krachend fliegt das scharfe, dem trocknen, zähen Tropenholz gegenüber jedoch zu weiche Eisen in die Basis des schloßtragenden Pfeilers hinein. Den Pfahl aus dem Boden auszugraben und ihn dergestalt intakt herbeizuschaffen, das war den beiden Intelligenzen nicht eingefallen. So liegen die Stücke halb zertrümmert vor mir, und statt einer Belobigung bekommen die beiden Besitzer noch Schelte.

Auf der Suche nach dem Schlüsselloch.

Die Makuahütten sind in der Umgebung von Newala besonders kümmerlich; in ihrer mehr als liederlichen Bauart erinnern sie mich lebhaft an die Interimsbauten der Makua von Hatia; und dabei haben die hiesigen Vertreter des Stammes durchaus keinen Krieg mitgemacht. Es muß also wohl angeborene Faulheit sein, oder aber das Fehlen einer straffen Häuptlingshand. Selbst die Barasa von Mlipa, eine kleine Stunde südöstlich von Newala, nimmt an dieser allgemeinen Verwahrlosung teil; während sonst die öffentlichen Bauten hierzulande stets der Gegenstand einiger Sorgfalt sind, läuft sie sichtlich Gefahr, vom ersten besten kräftigen Oststurm umgewirbelt zu werden. Von einigem Reiz in dem ganzen weiten Siedelungsdistrikt ist lediglich das Grab des verstorbenen Häuptlings Mlipa selbst. Ich habe es in den ersten Vormittagsstunden einmal besucht, wo noch brauende Nebel mit der durchbrechenden Sonne kämpften; da sah der kreisrund angelegte Hain haushoher Euphorbien, die nebst einem zerbrochenen Tongefäß allein noch von der Ruhestätte des alten Negerkönigs zeugen, fast weihevoll aus. Auch meine sonst so materiell und realistisch veranlagten Träger mochten so etwas fühlen, denn sie sangen heute nicht ihre gewohnten Schelmenlieder, sondern feierlich klang es, als wir von dannen zogen, in den dichten, grünen Makondebusch hinein und über ihn hinaus weithin den Steilabhang hinunter:

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„Wir werden schon ankommen mit dem großen Herrn; wir stehen in der Reihe und haben keine Angst, unser Essen und unser Geld vom Serkal, der Regierung, zu bekommen. Wir sind nicht ängstlich; wir gehen zusammen mit dem großen Herrn, dem Löwen, zur Küste und kehren zurück.“