Die edelste Errungenschaft aber, die wir dem anderen Geschlecht verdanken, ist doch die Technik und die Kunst des Kochens selbst. Nur das Rösten ist eine alte Kunst, eine von den Männern der Natur bequem abgelauschte zudem; der vom vernichtenden Waldbrand angeschmorte Kadaver des von der raschen Flamme überholten Tieres hat ihnen den Hinweis gegeben. Das Kochen, d. h. der Veredelungsprozeß organischer Stoffe unter Zuhilfenahme des zum Sieden gebrachten Wassers, ist eine weit jüngere Errungenschaft. Sie ist so jung, daß sie selbst heute noch nicht einmal überall hingedrungen ist; versteht doch der Polynesier wohl zu dünsten, d. h. sein Gericht, sauber in Blätter gewickelt, im Erdloch zwischen heißen Steinen unter Luftabschluß und hie und da unter Besprengung der heißen Steine mit etlichen Tropfen Wassers garzumachen, aber kochen kann er nicht. Ehre sei also der Frau und Dank für alle diese Wohltaten, mit denen sie die werdende Menschheit überhäuft hat!

Jedoch nie hat die böse Männerwelt der Frau das alles gedankt. Noch heute ist sie die Hüterin des Herdes, ganz gleich, ob dieser die Hütte des Negers, den Wigwam des Indianers, den Pfahlbau des Malaien zum behaglichen, von Mann und Kind erstrebten Mittelpunkt des täglichen Lebens gestaltet. Im Dunkel Afrikas und in den Urwäldern Amerikas hat sie freilich noch heute das zweifelhafte Vergnügen, Haus und Küche nicht nur zu erhalten und zu besorgen, sondern auch beide im wesentlichen selbst herzurichten; doch schnöde, undankbar und pietätlos hat die moderne Kultur die Frau aus der keramischen Werkstätte verbannt. Und wenn es die höchste Betätigung kulinarischer Kunst gilt, so ist auch da nicht mehr die Frau die berufene Trägerin dieses Könnens, sondern, uneingedenk ihrer alten Verdienste, stellen wir Köche an und erniedrigen die Frau zur bloßen Hilfeleistung. Wir sind ein undankbares Geschlecht.

Die schlanke Wanyassafrau hat nach einem letzten, prüfenden Blick den fertiggeformten Topf zum weiteren Trocknen in den Schatten gestellt. Als sie mir am nächsten Tage durch ihren stets gegenwärtigen Sohn Salim Matola entbieten läßt, sie wolle das Gefäß jetzt brennen, da erblicke ich sie beim Heraustreten aus meinem Hause schon eifrig beschäftigt. Sie hat eine Schicht daumenstarker, sehr trockner Knüppel auf die Erde gebreitet, den matt gelbgrauglänzenden Topf daraufgesetzt und umtürmt ihn nunmehr mit weiterem Geäst. Hilfreich und entgegenkommend überreicht ihr mein treuer Pesa mbili, der Trägerführer, den schon bereitgehaltenen Feuerbrand; unter beiderseitigem Blasen fachen sie den Stoß unter dem Winde an; schon zuckt die Flamme empor, da übertragen sie den Brand auch auf die Luvseite. Bald ist das Ganze ein einziges Feuermeer. Doch rasch verzehrt sich der trockne Stoff, der Stoß sinkt in sich zusammen, glühend ragt aus ihm das Gefäß hervor; mit langem Scheit wird es von der Frau gewendet, bald so, bald so, damit es gleichmäßig erglühe. Bereits nach 20 Minuten rollt sie das Kunstprodukt aus dem Aschenhaufen heraus, ein Griff nach dem Spinatbündel, das zwei Tage lang in einem Wassertopf gelegen hat; ein Schwung wie mit einem Weihwedel; laut zischen die Tropfen auf dem glühenden Ton auf. An die Stelle des gleichmäßigen Braunrots sind jetzt regellos verteilte schwarze Flecke getreten.

Mit einem Seufzer der Erleichterung und mit sichtlicher Befriedigung hat die Frau sich emporgereckt; sie steht genau in einer Linie mit mir und der Flamme. Eine Rauchwolke steigt empor; ein Druck auf den Gummiball der Kamera, es knipst, die Apotheose ist gelungen — eine Priesterin ihres erfinderischen Geschlechts, so steht die schlanke Frau da, zu Füßen das Feuer des Herdes, den sie uns geschenkt; zur Seite die Erfindung, die sie für uns gemacht; im Hintergrunde das Heim, das sie uns errichtet!

Makuatöpferei in Newala mit den Anfängen der Töpferscheibe.

Auch in Newala habe ich mir die Herstellung keramischer Erzeugnisse vorführen lassen. Technisch war das Verfahren besser, denn hier kennt man bereits die ersten Anfänge der Drehscheibe, die es im Tiefland anscheinend nicht gibt; wenigstens habe ich keine gesehen. Von der Herstellung einer Vertiefung zur Aufnahme des zu bildenden Gefäßes sieht die Künstlerin, eine furchtbar stumpfsinnige Makuafrau, ab; dafür rückt sie mit einer großen Topfscherbe an, die sie mit einer gewissen Wichtigkeit an der improvisierten Arbeitsstelle niedersetzt. Auf dieser Scherbe entwickelt sich alles weitere in ziemlich den gleichen Bahnen wie bei Salims Mutter, nur daß die Töpferin hier des mühseligen Herumlaufens um das Gefäß enthoben ist; in aller Bequemlichkeit kauert sie dabei und läßt Topf und Scherbe um sich selbst rotieren; es ist also der Anfang einer Maschine. Aber wollt ihr glauben, daß der Topf etwa dadurch regelmäßiger und schöner geworden sei? Freilich ist er schön rund und ganz ansehnlich geworden, aber alle die zahlreichen großen und kleinen Gefäße, die ich in den „rückständigen“ Gebieten gesehen und zum Teil auch gesammelt habe, sind es nicht minder. Wir modernen Menschen bilden uns immer ein, um Hervorragendes schaffen zu können, seien Präzisionsinstrumente nötig. Geht hin in die prähistorischen Museen und Sammlungen und seht euch die Töpfe, Urnen und Schalen unserer Vorfahren aus grauer Vorzeit an, dann werdet ihr sofort eines Besseren belehrt sein!

Heute ist fast die ganze Bevölkerung Deutsch-Ostafrikas in eingeführte Kattune gekleidet. Dem war nicht immer so; noch heute gibt es im Norden einige Gebiete, wo das gewalkte Tierfell als Bekleidungsstoff vorherrscht, im Nordwesten aber, östlich und nördlich vom Tanganyika, liegt eine Zone, wo Rindenstoffe auch heute noch nicht ganz verdrängt sind. Nur wenige Generationen mag es her sein, daß solche Rindenstoffe neben Fellschurzen auch im ganzen Süden das einzige Bekleidungsmaterial gewesen sind. Auch heute ist dieses leuchtend rote oder fahlgelbe Material noch massenhaft vorhanden; will man es aber sehen, so muß man schon in die Vorratsbehälter, auf die Trockengerüste und in die Hütten der Eingeborenen kriechen; dort führt es ein bescheideneres Dasein, nämlich nur noch als Packmaterial für besonders sorgsam zu behandelnde Sämereien und Früchte. Auch das Salz von Massassi wird in große Rindenstoffstücke geschlagen und in ihnen kunstgerecht für den Ferntransport verpackt.

Ritzen der Rinde am Baum.