Abziehen der Rinde vom Baum.
Putzen der abgehobenen Rinde.
Klopfen der Rinde.
Geschmeidigmachen des geklopften Stoffes.
Rindenstoffherstellung in Newala.
Wo es irgend ging, habe ich auch die Technik der Herstellung dieses Stoffes studiert. Mit einem zwei bis drei Meter langen, schenkeldicken Knüppel kommt der bestellte schwarze Mann an; sonst trägt er weiter nichts als einen merkwürdig gestalteten Hammer und das übliche lange, scharfe und spitze Messer, das alle Männer und Knaben, ohne Scheide horribile dictu! — auf dem Kreuz im Gürtel tragen. Stumm läßt er sich vor mir nieder; mit zwei raschen Skalpierschnitten hat er im Abstand von zwei Meter den mitgebrachten Baum umzirkt, dann fährt er mit der Spitze des Messers auf dem Baum lang dahin. Mit sichtlicher Sorgfalt hebt er rings um den Stamm mit Hilfe des Messers die äußere Borke ab, so daß nach Verlauf einer guten Viertelstunde die erstrebte innere Schicht sich leuchtend zwischen den unberührt gebliebenen Stammenden heraushebt. Mit einiger Mühe und vieler Vorsicht löst er die Rinde an dem einen Ende ab, er öffnet den Zylinder; sodann steht er auf, ergreift den freigewordenen Rindensaum mit beiden Händen und zieht dem langen Knüppel langsam, aber mit Nachdruck das Fell über die Ohren. Ich erwarte, der so grausam Geschundene möchte achtlos beiseite geworfen werden; das geschieht aber nicht, sondern er wird belassen, wo er liegt. Für den Künstler beginnt nun die mühsame Arbeit des Säuberns; er schabt alle überflüssigen Borkenteile von der Außenseite des langen, schmalen Rohstoffes ab und unterzieht ihn auch auf der Innenseite einer sehr vorsichtigen Durchsicht nach Fehlstellen. Jetzt endlich geht’s an das Klopfen; auf einen Wink hat ihm ein Freund eine Schale mit Wasser zur Seite gestellt; mit diesem feuchtet der Künstler das ganze Stück ein, greift darauf nach seinem Hammer, legt das eine Ende des Stoffes auf die glatteste Stelle des entrindeten Baumes und hämmert langsam, aber stetig darauflos. Höchst einfach, denke ich, das würdest du sicher auch können; später aber werde ich anderer Meinung: das Klopfen ist doch eine Kunst, falls es nicht zu einem Zerklopfen werden soll. Um das zu verhüten, faltet der Künstler den Rohstoff mehrfach der Quere nach und bildet dergestalt eine mehrfache Lage, die dem Zerschlagen der Fasern entgegenwirken soll. Endlich ist der gewünschte Endzustand erzielt; entweder ergreift der Fundi allein den immer noch gefalteten Stoff an beiden Enden und ringt ihn tüchtig durch, oder er ruft einen Gehilfen herbei, der ihn bei dieser Schlußarbeit unterstützt. Das so entstandene Zeug ist lange nicht so fein und regelmäßig wie der berühmte Rindenstoff von Uganda, aber es ist immerhin schön weich und vor allen Dingen billig.
Jetzt sehe ich mir auch den Hammer an; mein Künstler verfügt über die einfachere, aber bessere Form: auf dem Hammerstiel steckt als wirksame Masse ein derber Holzkegel, dessen breite Basis, die Schlagfläche, kreuz und quer mit mehr oder minder derben Riefen versehen ist. Bei der ursprünglichen Form ist der Kegel ebenso gestaltet, aber er ruht in einem kunstvoll verflochtenen System von Baststreifen, die ihn an einem aufgespaltenen Bambusstab als Stiel befestigen. — Die völkerkundliche Erfahrung, daß alte Sitten und Gebräuche sich am längsten im Kult und im Kinderleben erhalten, finden wir auch bei diesem Rindenstoffe bestätigt; wie ich sehr bald erzählen werde, wird er noch während des Unyago getragen, nachdem er unter bestimmten Zeremonien höchst feierlich erzeugt worden ist; auch legt manche Mutter, wenn sie sonst nichts hat, ihrem Sprößling noch hie und da ein Rindenschürzchen an. Das sieht dann viel schöner und weit afrikanischer aus als der lächerliche Lappen aus Uleia.