Allmählig erwachte Entschluß in ihrer Brust.

Einst nach einem solchen Gespräch erhub sie sich bewegter, und mit einer gewissen Feierlichkeit; sie dankte ihm für seine Freundschaft gegen den Geliebten, die er ihm noch nach dem Tode, in der Sorge für sie, bewahrt hatte, sie sagte ihm, daß sie diesen Ort verlassen werde, und verlangte den letzten Beweiß seiner Sorgfalt, daß er sie zum Grabe ihres Geliebten begleite.

Ihre Erschütterung bei diesen Worten, hielt ihn ab zu antworten, aber sie hatte sogleich die Fassung wiedergefunden, und er vertraute der Kraft ihrer Seele.

Der Sarg stand in dem Gewölbe der Hauptkirche. Der Gang schien sie zu erschöpfen, sie stieg die Stufen hinab mit Schwanken, und winkte, allein zu bleiben. Er verließ sie ungern.

Wie sie sich von Zeugen befreit sah, schritt sie heftig auf den Sarg zu, ihr Auge glühte von Liebe, ihre Brust schlug, sie sank auf die Knie, und breitete wieder die Arme aus, voll Entzücken. Dann berührte sie den Sarg mit der Hand, mit der Brust, mit der Stirne, und blieb lange still in sich verlohren.

Als sie zurückkamen, wartete ihr Wagen vor der Thür der Kirche. Sie reichte seinem Freunde die Hand, sagte ihm Lebewohl, und daß sie jetzt nach dem Geburtslande des Geliebten eile.

Ueberall fand sie dort die Spuren seines Wirkens. Schmerz, Andenken und Beschäftigung traten an die Stelle des Liebesglückes. Sein Leben, das der Sturm der Zeit dahingenommen, führte sie in seinem Geiste fort. Aber sie blieb nicht lange einsam, denn in der Frische der Jahre, in der Kraft des Gefühls, welches ihr Leben beseelt hatte, ehe es von der Zeit geschwächt, von Ereignissen zerstreut worden, nahm der Tod auch sie hinweg.


Hinweise zur Transkription

Im Rahmen dieser Transkription wurde die Kombination aus "langem s" und "s" in "ß" umgewandelt.