O welch ein Entzücken, seine Rede zu belauschen! könnte ich ihn unsichtbar umschweben, welch ein Glück! Ich hätte gewünscht zu sterben: beklagt, von ihm beklagt zu werden, und um ihn zu schweben, ein waltender Geist!
XVII.
Jedes Verhältniß der bürgerlichen Gesellschaft ist in seinem Ursprung so rein, so schön, so auf die natürlichsten Gefühle gegründet, daß das dunkle Gefühl hievon, ihm selbst in dem ausgeartetsten Zeitalter seine Ehrwürdigkeit erhält. Nie habe ich das so lebendig empfunden, als seitdem ich liebe, und am lebendigsten empfinde ich es von dem ausgeartetsten aller bürgerlichen Verhältnisse, von der Ehe. Sie ist ein Versuch des edelsten Bedürfnisses, die Freuden vollkommenerer Naturen auf die Erde zu verpflanzen, dem höchsten Gefühl der Sterblichen, der Liebe, seine einzige Unvollkommenheit zu nehmen, den Wechsel.
Immer um den Geliebten leben, zu Einem Zweck mit ihm verbunden, unauflöslich an ihn gefesselt, Mutter seiner Kinder seyn, Kummer und Lust mit ihm theilen, seinen Namen führen, und alles doppelt und dreifach lieben, was uns umgiebt, weil alles ihm angehört; nur durch den Tod von ihm getrennt, und bei dem Volke, das den Sinn der Natur am treusten in seinen Mythen und Gesetzen aufbewahrt, nicht einmal durch den Tod!
Wehe dem, der den edlen Zweck verläugnend, dieses Verhältniß, zum Dienste der Habsucht, des Hochmuthes herabgewürdiget hat.
XVIII.
Ich bin weit ernster gestimmt, seit ich ihn liebe, und ich weiß selbst nicht, wie es kömmt. Der Zweck des Lebens, die Vollkommenheit, das Glück, wird mir immer deutlicher, und bringt mich den Menschen näher. Ich bin besonnen und ruhig. Sonst war die Gegenwart mir ein reiches Gebiet, der Augenblick beherrschte die Stimmung meiner Seele. Bald riß mich eine unerklärliche Sehnsucht fort, bald überließ ich mich einer eben so unbegreiflichen Freude. Die Zukunft erschien mir nicht, mit der Vergangenheit, der Gegenwart, und allen Schicksalen der Welt, weit umher, ein großes Ganze; es waren einzelne Stücke, die sich nach jedesmaliger Laune meine Phantasie ausgemahlt hatte: bunt oder schwarz, dunkel oder hell. Das ist jetzt Alles viel anders.
XIX.
Es geschieht so viel Großes um mich her, und nur in Bezug auf seinen Antheil, auf unsre Liebe, nehme auch ich daran Theil. Dieses Schicksal der Welt kann uns trennen. —
O warum ist grade der Muth die Eigenschaft des Mannes, welche das weibliche Herz am unwiderstehlichsten fesselt! Sie giebt uns ein Gefühl von Bewunderung, von Sicherheit der Schutzbedürftigkeit, im Arme des Geliebten, das unser Wesen in Schwung, Kindlichkeit, und ruhige Hingebung auflöset. Vertrauend legen wir unser Geschick in die Hände des Starken, wie ein Kind seine Schätze in den Schooß der Mutter niederlegt.