Die Riesen werden die fauligen Menschen ins Meer schmeißen, wie Kronos mit einem Teil seines gestürzten Vaters Uranos tat, worauf aus dem Blutschaum sich ihm als das schönste Symbol die Aphrodite gebar. Man muß Europa auf sich selbst bringen, sonst rast es sich tot.
Europa hat nach dem Krieg statt einundvierzig nur noch siebzehn Monarchen, es betrübt das vielleicht den Monarchisten, aber es bedeutet im Grunde nichts. Europa ist etwas größer wie die Hälfte von Südamerika, von dem die Europäer fast nichts wissen und ist lange nicht die Hälfte so groß wie der Norden Amerikas, vor dem ihm graust. Europa ist in eine völlige wirtschaftliche Unterordnung zur neuen Welt getreten und hat sich in siebenunddreißig Staaten geteilt. Europa muß viel Hochmut haben, um seine Situation nicht zu verkennen und sehr viel Bescheidenheit, um klar zu erkennen, wo es steht und wohin es fährt.
Es fährt mit einem Schiff, in dem die Steuermänner und die Kapitäne und die Matrosen dreißig Sprachen sprechen, wo alle bewaffnet sind und wo neben den Gewittern die Hungersnot und das Elend und der Haß die einen gegen die anderen voll mörderischer Gedanken gemacht haben. Viel anders sah es auch nicht aus auf dem Schiff des Kolumbus, allein seine Leute vermochten dennoch die Neue Welt zu entdecken. Sie führten unter anderem den abgeschlagenen Kopf eines Heiligen als Reliquie bei sich.
Ich entsinne mich, Mijnheer, hierbei eines Marmors im „Luxembourg“, den ein Künstler jenem Dichter widmete, der zur Tröstung einer schönen Mitgefangenen im Kerker einunddreißigjährig eines der drei großen Gedichte der französischen Sprache schrieb, eh’ die Bergpartei der Schreiber ihn guillotinierte. Er nannte es „die Muse André Chéniers“. Eine junge Frau, mit unberührten Brüsten und der zärtlichsten Wollust der Schenkel drückt mit der Innigkeit unbrechbarer Zuneigung den abgeschlagenen Kopf des Dichters an ihre Brust und ihren Mund.
Ach, hätte das Schiff Europas das gleiche Wahrzeichen wie jener Kolumbus bei sich und vermöchte der Geist so stark zu werden in ihm, daß es die Liebe seiner verstoßenen Söhne so begriffe, daß es sie ebenso zärtlich grüßte wie die Muse den Kopf des Chénier. Denn im Augenblick der Berührung erhält der marmorne Kopf des Dichters neues Leben und seine Muse trinkt sein Blut.
Mijnheer, das Parabolische ist nicht der Genre eines holländischen Gentleman, ich verwirre mich in Bilder und Erinnerungen und ich habe einen Augenblick geträumt mit der Kühnheit eines Kindes. Kehren wir aus dichterischen Träumen in die Zahlen unseres mathematischen Zeitalters zurück. In diesem Kursbuch stehen die Tageszeiten aller Kontinente und ihre Tabellen zum Gebrauch der Börse. Noch, Mijnheer, kann man, fährt man von New-York nach Europa, täglich seine Uhr um dreiviertel Stunden vorrücken. Verstehen Sie mich, obwohl ich schon halb schlafe?
Möge nicht die Zeit kommen, wo man sie zurückstellt in seinem Herzen!
Die siebente Nacht
In der Tat, Mijnheer, Siebenzehnhundertsiebzig hat James Watt den Begriff der Pferdestärken geprägt. Achtzehnhunderteins stellte der Amerikaner Oliver Evans die erste richtige Hochdruckmaschine her. Achtzehnhundertachtundzwanzig lief durch den wackeren Mann George Stephenson auf der Stockton-Darlington-Bahn der erste Personenwagenzug. Achtzehnhundertdreiundvierzig baut Morse die erste große Telegraphenlinie von Washington nach Baltimore.
Dreizehn Jahre später zieht sich das erste submarine Kabel durch den Hafen Portsmouths und dreiundvierzig darauf ist die Erde mit siebenhunderteinunddreißig Kabeln verbunden. Neun Jahre nach der Startung des deutschen Kaiserreichs läßt Siemens & Halske die erste elektrische Bahn laufen und im Jahr darauf beginnen die amerikanischen Hauptstädte sich telephonisch zu verbinden und die Welt damit in einen Zaubergarten zu verändern.