Mijnheer . . . . . . . !!!

Letzter Vormittag

Mijnheer, wir sind frei.

Im Schlitten vor uns fahren die Filmleute. Hinter uns jagt mit Schellenklirren eine Karawane zu Thal. Die Tiere schütteln sich vor Wonne unter dem blauen Horizont, und der Wald ist, von Sonne getaut, in der Nacht wieder zusammengefroren wie singendes Glas. Wo waren Sie heute Nacht?

Ich war nicht bei Ihnen, aber Sie waren auch nicht in Ihrem Zimmer. Ich sah es, denn Sie hatten kein Licht, und als ich rief, lachte es in einem anderen Korridor. Wir glücklichen Toren! Wir haben ein doppeltes Dasein geführt, wir haben mit Grübeln in den Nächten das Leben bestimmt und den Tag uns gegenseitig verschwiegen. Wir haben die Nächte mit Reden erhellt und unsere Tage im Dunkeln gelassen und zweierlei Dasein gelebt. Nun ist das Leben plötzlich in unsere Gespräche eingedrungen wie ein Tier und hat uns die zehnte Nacht entrissen. Fahre sie wohl.

Es geht wie im Traum, der Schlitten schwingt im weichen Tempo des Hufschlages. Die Abhänge sind an den Felsen manchmal schon „aper“ und beugen sich voll Lawinen über den Schwarzwald hinab.

Sehen Sie zurück: auf Gisiböden, Notschrey, Blösling, Seebuck steigen Säulen von Dampf. Schauen Sie ins Tal: da strudeln in den langen Sonnenfächern rosa und blaue Nebelwolken. Welcher Zauber. Welche Weite. Die Welt ist wieder offen.

Auf dem Bruchharsch des Zweiseeblick fahren die Skiheroen ins Tal. Sie schwingen wie Kreisel in alpiner Technik über das Eis, flitzende schwarze Punkte, dann stäuben sie in die Latschen. Die Sonne greift aus der gläsernen Gegend eine vor Leidenschaft zitternde kühle Musik. Noch ist die Erde nicht aufgeplatzt, dem Frühling entgegen. Aber die Ebene kommt uns entgegen. Die Erde nimmt uns auf, als habe der Okeanos, der sie umschließt, sich mit reißender Wonne über sie ergossen. Was bleibt von der Kühle und Distanz, mit der wir sie aus unserer Verbannung heraus geteilt und beurteilt?

Was bleibt an Überlegenheit, wenn die See und die Alpen uns anglühn? Dahinter liegt Venedig und über dem See die Städte. Von Badenweiler bis Zürich, von Freiburg bis Köln geht der Atem der Landschaft. Und hinter der Heimat steht unentziffert, mit allen Wundern verschleiert, rätselhaft wieder die Welt.

Was bleibt nun von dem, Mijnheer, was wir zu entzaubern versuchten?