Sie sah nachdenklich auf ihn. Dann stach sie eine Nadel durch ein Fliederblatt und sagte langsam: „Es ist Ihre Sehnsucht, Wald, ich weiß es. Ich weiß, daß Sie sich stets daran klammerten, als Ihre Krise war! Sie wissen nichts?“
Er wußte es nicht.
Er schüttelte den Kopf, lächelte und verneinte.
Da sagte sie leis: „Die Bäu . . . me.“
Wieder kam das Lächeln über sein Gesicht Aber ihr war, als ob es Gewalt bekomme über den Inhalt des Gesichts und als ob es sich einforme wie eine fressende Säure. Seine gespannten Muskeln waren einem sekundenhaften Verfall unterworfen. Sie schwanden unter der Haut.
Ganz weiß hob er den Kopf: „Habe ich . . . ha — — — be ich . . .“
Von schwerem Entsetzen geschüttelt wand er die Arme durch die Luft. Seine Augen wurden rund, kugelhaft und fast wie Glas und starrten über die Ebene. Er keuchte und deutete vor sich: „Geben Sie mir diesen Stein.“
Ihm schien die Schwelle eines seltsamen Unterbewußtseins durchstoßen. Er hatte alle die Wochen nur ein Leben gehabt, das seine Wurzeln hatte in seiner letzten Krankheit. Wohl wußte er die Dinge und Vorgänge der Zeit und seines Lebens auch vorher. Aber in diesem Augenblick schien es ihm, daß eine dünne Haut darüber gewesen sei und daß ihm die Erkenntnis nach deren Platzen nun erst neu, groß und unendlich furchtbar wieder zuströme.
Er nahm den Stein, den ihm die Pflegende reichte. Er war sehr schwer und kantig. Er drückte seine Hände hinein, hielt ihn an die Stirn, hob und prüfte ihn und legte ihn fest auf das Knie. Er empfand, wie die Angst vor der plötzlichen Leere um ihn herum schwinde und wie das Gewicht des realen Steins ihn wieder an das natürliche Leben und die geliebte Erde (prometheisch) zurückriß.
Dann warf er den Stein weg und sagte: