Paul Fort sagte von ihr, sie sei rührender als ein Papillon und schmerzender als ein Gedicht von Francis Jammes.
Germaine liebte mich, ehe sie mich verließ, aber sie hatte keine Seele. Allein sie besaß — unsagbarstes Wunder — besaß Knie von ungeheurer Süße, kleiner, zärtlicher als die Brust eines schlanken norddeutschen Mädchens von dreizehn Jahren. — — —
Den Carrière in dem ovalen Rahmen nahm ich aus dem Zimmer des Malers Binetti, als er nach dreitägigem Kranksein an Cholera starb. Stunde auf Stunde, den ganzen letzten Tag rief er einen seltsamen Namen. Er diktierte mir einen Brief, dessen Adresse ich nicht verstand. Binetti schrie. Ich habe ihm Wasser gereicht. Habe ihn in Eis gepackt. Ich habe ihn gebadet mit einer alten Frau. Binetti schrie den Namen. Ich habe ihn nicht verstanden. Am Abend gestikulierte er und formte immer eine merkwürdige Gebärde in die Luft. Sein Blick wollte mich zwingen, zu begreifen. Immer wieder machte er die Bewegung, und eine maßlose wütende Angst löste sich von seinen Augen ab. Er stieß mit der Zunge noch lange wie mit einem Dolch in die Luft, rascher, qualvoller, spitzer. Aber ich verstand es nicht.
Der Brief ist das Furchtbarste an Weh. Ich habe die Adresse nie gefunden. Es war in Marseille. Der Mond bewarf das Meer von flachen Dächern mit einem Licht, daß sie, eine aufflammende Kette von Spiegeln, Feuer in den Himmel brannten.
Vom Hafen her heulte das wahnsinnige Schmerzgeschrei eines Arabers die Straße herauf.
Ich und Binetti, wir hatten nach Tunis fahren wollen.
Ich trug diesen Brief in der Tasche, und manchmal machte ich die vage Geste in die Luft und wunderte mich und erschrak und wollte mich zwingen, es zu lassen. Aber sie hatte Macht über mich bekommen und meinen Nachahmungstrieb vergewaltigt, und so lief ich, ein Automat der fürchterlichen Gebärde des Sterbenden, den Quai entlang. Und ich fühlte, wie ich anfing einen Namen zu rufen, der sich langsam rundete wie aus einem zu A hin erhellten O mit fremden Palatallauten dahinter. Bis ich mich plötzlich wiederfand und den Kopf in die Fäuste geklammert aus dem Hafen rannte. Zwei Sergeanten traten mir in den Weg. Ich kam in eine Allee, wo ein Weinen mich nahm und über eine Bank warf.
Dies war die einzige Nacht, in der ich sterben wollte. — —
Den mennigroten Tod aus Wachs über Ihrer linken Schulter . . . nein so . . . ja . . . schön . . . schenkte mir der finnische Dichter Karelainen, der eigentlich Grönquist heißt. Grönquist ist schwedisch. Karelainen ist finnisch, Darin besteht der wesentliche Wert Karelainens, daß er sich eindeutig so und nicht anders heißt. Denn seine Verse sind schlecht. Für den Adel und die Intelligenz ist das Schwedische die höhere Sprache, und sie heißen sich mit solchen Namen. Karelainen stemmte dem aber seine breite Brust entgegen, seine feinen Hände dazu und vor allem das helle Wunder seines Mezzosoprans und propagierte mit dieser dreifachen Opposition das Finnische.
Aber es handelt sich nun keineswegs um Finnland. Wir saßen in einer schmutzigen Schenke einer kleinen Stadt an dem litauischen See Ssilkine, in dem wir gefischt hatten.