raffte. Sie hob den Kopf, blähte die Nüstern der bourbonischen Nase, als röche sie ihn, der Blick der wildsamtenen Antilopenaugen verdunkelte. Sie blies mit einer raschen, schönen Bewegung das Licht aus. Ihr Körper war glatt wie ein Fisch, golddunkel. Sie frug, wie lange, am Morgen. Er schüttelte den Kopf und nahm sie mit. Sie kam als erste in sein Haus. Der Arbeiter gab ihm die Übersicht der Bücher und trat ein wenig zurück. „Ich danke.“ Vaudreuil gab ihm die Hand. Der Arbeiter errötete, aber, da Vaudreuil nicht weiter sprach, wies er nochmals auf das Neue, seine zehn Pfade am oberen Lorenzo, den Hafen am Ontario. Vaudreuil nickte.
„Ist es nicht genug?“
Da sah Vaudreuil wieder über ihn hinaus wie am Morgen, als er aufbrach. Seine Sehnsucht hatte das Tätige nicht gestört. Er stapelte auf die Verträge von den großen Seen, die Abmachungen, die die Jagd am Sklavensee, am Makenziriver in seine Hand gaben. Nun flossen die Felle des Inneren nicht mehr zur Hudsonbay, nun durch ein neues Bett strömte das Innere zu ihm. Nun liefen die Pelze übers östliche Meer, nach Europa. Seine Besitzung am Lorenzo ein Strudel, der das Innere des Landes einsog und herriß. Was war das Bisherige gegen diese Leistung, diesen Horizont?
Er sah dem Arbeiter ins Auge: „Organisieren Sie
es.“ Der zog den Mund zusammen, bückte sich einen Augenblick, hielt dann erstarrt mit geöffnetem Mund. Dann ging er hart. Nach einem Monat brachte er das Geschaffene. Er sah auf: Wegweiser, Faktoren, Dolmetscher zogen ins Eis. Die faule Jugend war diszipliniert, stieg in siebenjähriger Probezeit zu höherer Stellung, zu Beteiligung, zu Prämien für besondere Leistung. Für Ausdauer stand Lohn, für Ehrgeiz Befriedigung. Er machte Kräfte frei in gerechtem Wettstreit . . . „Gut,“ sagte Vaudreuil. Da nahm der Arbeiter seine Hand, sagte: „Verzeihen Sie.“ Er wollte kein Lob mehr. Kein Trotz war mehr in ihm. Er diente.
Als die Frau ihm einen Sohn ins Bett warf, schreiend, daß die Mägde im Haus den ganzen Tag zitterten, schenkte er ihr eine Kette mit gewundenem alten Dukatengold.
Daran hingen drei achatne Kugeln.
Courbisson hielt ihn zur Taufe über das Wasser, obwohl die Mutter braun war, denn seine Schätzung für den Menschen war noch geringer als die für das Beispiel, mit dem Vaudreuil für das Volk schuf. Am Mittag kam ein Bote, der die Nachricht hatte, daß ihm die Heimkehr frei sei, daß unter anderem Gesetz die Stadt stände. Er ging zurück in den Schatten, wohin die Kerzen nicht langten. Er würde Ruhm haben, Vermögen, Macht, Frauen. Er sah durch das
Fenster, wo die schwere Silhouette des Waldes noch sichtbar in der Ferne schwang. Es ging über sein Gesicht von oben nach unten, von den Wangen über den Mund. Der Gouverneur zitterte an der Hand, die den Hut hielt. Vaudreuil äußerte sich nicht.
Im Frühjahr verschwand er einige Zeit. Rastete an Feuern, an Seen, Flüssen, den großen Hauch des Daseins spürend, ging mit Zeit, mit Woche und Jahr. Der Erde und ihrem Rücken verschwistert, die ihn mit Blut und Saft bis ins Hirn durchspülte, gingen die Nächte über ihn, die Schwingen des Sternkreises, der Monde. Er sprang in dieses Zelt, er zündete Hölzer an, er verließ es. Er hob das Tuch im Wald, auf der Steppe. Nahm jene, dieses, schwankte, ließ liegen, holte zurück unter Lachen. Schichtete um sich in Zellen brausend Gelebtes, reich Durchgegangenes, hielt nicht an dieser, jener Frau, glich sich aus in der Bewegung.