Am zwölften Geburtstag seines Sohnes kam er von einer Kontrollfahrt. Er ging sofort in das Zimmer, wo von einem Hausmeister und Lehrer er das Kind erziehen ließ. Von dort durch die Diele, kam er ins Boudoir seiner Frau. Er sah sie vom Rücken, sie stand vor einem Spiegel und kämmte ihr Haar. Ihre Lippen leuchteten voll und rot, der Nacken fiel mit der Glätte der Schlange und als sie sich ihm zudrehte, standen ihre Brüste klein und gegen ihn gereckt. Da sah er eine Flechte an ihrem Scheitel weiß, trat zurück, erbleichte.

Ging vor bis dicht an den Spiegel, sah über den straffen dunklen Zügen sein Haar hell durchblitzt, stürzte hinaus. Drei Tage trieb er wie irrsinnig durch das Haus, durch den Park.

Des Nachts brach er auf. Am Pfosten der Tür versuchte er seinen Muskel. Er warf ihn auf. Sein Gesicht ward sicherer. Am Abend schmerzte ihn sein Fuß. Er wurde kleinmütig, ging gesenkten Kopfes, setzte sich auf einen Stein. Als er die Stelle untersuchte, war es eine Quetschung. Sein Auge hellte auf, als er die Ursache sah. Er kam an den Elkfluß. Zog nördlicher. Kam an den Athalaskasee. Schuf die Riesenfaktorei am Winnipegsee, nun würden Tauschwaren in alle Eisbezirke laufen. Der Norden war aufgesprengt. Keine Aufgabe weiter . . . Am Morgen erhob er sich, drang weiter vor. Unsinnige Angst, daß das Alter nahe, daß er nicht mehr folgen könne, wenn sein Herz ihn hineinstieß in das Sehnsüchtige, Dunkle. Er übertrieb seine Kraft, sich selbst davon zu überzeugen. Er lag zwei Monate krank in einem Hüttenlager. Gekräftigt, sofort trieb es ihn hoch hinauf. Er kreuzte durch verschneite Prärieen am Hudson. Eingeborene wiesen ihn östlich, wo große Herden der Pelztiere seien, Ebenen mit hohem Gras, Ochsen mit gestreifter Haut und säulenhohen Hörnern sprängen. Aber sein Herz schlug: Nach Norden . . . Er werde sterben. Es kümmerte ihn nicht. Sein Blut klopfte dumpf gegen das

Dunkle vor ihm, sein Herz kannte nur in ungeheurem Zittern einen Pol.

Er kam an einen Fluß. Aus der Entfernung einer Meile kam sanftes Geräusch. Er schlich sich an. Ein Graben deckte ihn.

Wie Affen standen Tiere um einen Baum. Sie stützten sich auf breite Schwänze, hatten die Vorderbeine an die Rinde gelegt. Mit weißen Zähnen sägten sie nach gleichem Takt den Baum durch zwischen den Spalten ihrer Gänsefüße. An der Ecke saßen zwei andere, machten Gesten, schrieen; womit sie andere warnten, über die Linie zu treten, in deren Radius der Baum wohl fiel. Nach dem Ufer zu zog sich eine geordnete Kolonne, die Äste trugen. Der Fluß war eine unmeßbare Wabe, aus der die Kegelhütten hervorstachen mit den Spitzen. Dazwischen ein Gewimmel von Tieren, die am Damm bauten, so weit er sah.

Auf dem Fluß schaukelten Rosaschatten, der Abend fiel langsam. Die Dämmerung hüllte das friedhafte Summen der beständigen Arbeit in stumme Seligkeit. Der Mond schwang darüber, es nahm kein Ende. Der Mond bewegte sich in der Elegie des tätigen Konzertes, der Baum fiel, aber er stürzte, als der brausende Rhythmus der Tiere auf der Spitze der Empfindung schwoll. In langen Kantilenen zernagten sie die Äste, bauten, schufen, langsam klang die Nacht mit allem Geräusch in die beruhigende Kraft des Tieres.

Er machte eine Skizze, hielt den großen Biberplatz in der Hand, schlich zurück, kroch in seinen Schlafsack, warf sich zwei Stunden herum. Dann stand er auf. Zerriß den Plan. Hatte genug Vermögen. Langsam begann er zu weinen. Etwas stieg auf, erhob ihn und durchdrang den Überschwang an Dunklem, das seine Seele mit großen Trieben hinriß da und dort, aber immer in einer Richtung, die sinnlos war vor unbewußter Sehnsucht. Das Gefühl erfüllte ihn ganz bis in die Kammern des Herzens, bis in die Poren der Haut, den Wuchs des Haares und gab ihm eine Schwingung, die er nie gepackt. Hingerissen, zwischen den Schwüngen des rastlos Stoßenden, das ihn wegblies wie gegen den Mond und zurückstieß gegen den Boden, den er baute . . ., in einem unirdischen Ruhepunkt erlebte er die glücklichste Stunde seines Lebens. Er rührte kurz an die selige Beruhigung, die als Achse zwischen den Wagen seines Herzens stand. Auch dies verließ ihn nie.

Mit hölzernen Schlittschuhen trieb er das Eis der Flüsse südlich. Schon kam Grün, Frühjahr wucherte aus verhaltenen Ästen. Vögel begannen unwiderstehlich zu kommen aus den monderhellten Dunkelheiten des Waldes.

Von einem Hügel sah er zum Strom. Tausende Habitants, Sklaven, die die Maisfelder dunkel machten. Riesenbogen der Landschaft gegen den Wald gespannt.