Kreise, die sich durchbohrten: „Der Schwerpunkt der Affären fällt nach Westen“. Nickte. War Franzose, der Plan war sein alter Plan. „Es geht um die Gesundheit, Fidley. Zaudern Sie nicht, das zu begreifen,“ sagte Vaudreuil.
Mittags fuhren sie im Auto den Lorenz hinauf, folgten ihm in Launen, Schlägen, Schnellen. Der Wald war dicht voll Saft, Sonne spielte in fetter Luft. Vögel schrieen. Schlugen hämmernd hinaus in Weizenebenen. Kühe tollten unter Bäumen, grad gesetzt, trächtig von Frucht. Blauer Himmel stieg vom Waldblock herauf, überflog sich taumelnd. Die Nurse saß neben Daisy. Der Wagen schwenkte nach Norden, fuhr an neuem Strom. Hinauf, hinauf. Ein Gartenhaus stand unter Blumen. Ottavagemurmel nickte, schwamm um jeden Kelch. Der Wagen hielt. Die Nurse packte Daisy. Sie stiegen aus. Daisy schrie hell und scharf, verstummte, wachte auf. Lange dunkle Wimpern brachen auf. Grau und stählern nahm der Blick die Landschaft, saugte sie ein, als besäße er sie.
Kam sie am Arm der Nurse schlenkernd herauf vom Fluß, rollten die weißen Sonnen der Sägen über ihr im Himmel. Gegen die Dämmerung heulten die Dampfhähne, Feuersignale schossen aus Schloten
herauf, herab. Um sie wimmelten Menschen, grinsten mit gefletschten Zähnen, verbeugten sich, trugen Hüte in der Hand an ihr vorbei, Weiber drängten um sie Koseworte herum. Die Rollketten der Wegbahnen knatterten sich in endlosen Ellipsen um den Horizont herum. Am Garten begann Duft sie zu überfallen. Aus Kronen seltsam geformter Bäume schüttelten sich Schatten herunter, trieben im Geruch. Nachts schlief sie auf dem Geschaukel des Ottavageräuschs. Es füllte langsam, wachsend ihr Ohr.
Im Garten suchte sie Syg, Tochter der Nurse, hob die Goldregenzweige, suchte üppige Grasrosenstände durch, zirpte in Schneeballendickicht, Salmweiden: Syg. Sie schritten mit langen dünnen Beinen über den schiefrig blauen Kies; setzten sich auf die Bank in die Sonne, sahen nach dem Haus. Verschwand der Kopf der Nurse, streckten sie Zungen heraus. Erschien er, scharrten sie träumerisch mit den Füßen, preßten die Ellenbogen aneinander, verklucksten sich im Gegen-den-Boden-Lachen lautlos. Plötzlich drückte Daisys Hand die Sygs hart. Die Zweige hinter ihnen wogten und schluckten, fuhren rückwärts. Nach der leeren Bank flog der Nurse Geschrei.
Zuerst liefen sie durch Dickicht, Primelbeete, sodann kam das Hundeloch im Zaun. Hundert Meter dahinter flimmerte Prärie. Unten tief in der zitternden blauen Dunstwolke, die die Erdscheibe abbog, kam im Halbbogen das Atmen der Gräser in endlos wellender
Flut sanft herauf. Unsichtbare Vögel sangen gedämpft aus dem Tau der Halme. Das Licht floß auf der Stille, wiegte, glitt. Sie schlichen bis zu drei Termitenhaufen. Unordnung kam in die brausende Stille, vom Zaun kamen Rufe. Sie lagen eine Stunde still im Zittergras, trauten der eingebrochenen Ruhe nicht, die über sie spielte, fürchteten das Spähauge, die schlaue Lauer der Nurse. Dann zog Syg die Mittelfinger aus den Ohren. Sie hatten nichts gehört. Daisy hob die Nase. Sprangen auf. Draußen kam ihnen Wind immer stärker, und wie sie liefen, knatternd sturmhaft um die Schläfen.
Sie banden vom Leib sich Tücher ab, ließen sie hinter sich schwenken. An der Erhöhung blieben sie stehen, drehten sie um sich langsam im Bogen. Die Sonne fing an, danach sich zu richten, lief mit ihnen im Kreis, sprang aus einem Tuch in das andere, mitten stand ein roter Knopf in das Viereck hineingerollt.
Hinter der Schanze kam der Nurse Hand, faßte Daisys Gelenk, Sygs Ohr. Auf Sygs Gequietsch legte Daisy die Hand auf der Nurse Leib, stampfte mit dem Fuß auf, das Weiß des Auges bekam einen kristallischen Kern. „Do . . . do . . . Daisy“, lockte die Nurse, knotete den Schürzzipfel, tuschelte damit zu dem Kind, schnalzte mit der Zunge, hob wie der Kordelhanswurst die Arme. Die Kinder lachten, hingen an ihren dicken Schenkeln.
Mit acht Jahren war das Tor frei, das Loch verachtet.