Sie trugen gleicherweise dünne Seide, dieselben Röcke bis zu den Knieen, Shawls über den Schultern. Draußen zogen sie die Schuhe aus. Daisy bog sich in den Lenden vor, ging steif auf den Zehen, die Hand mit gerundetem Daumen nach unten. Sie schoß nach unten, hob eine Echse, genau am Hals gefaßt, ohne den Schwanz zu beschädigen, hoch. Der grüne Leib zuckte, der Kopf fuhr unruhig züngelnd herum. Riß einen roten großen Klapprachen auf. Ihn hielt Daisy an Sygs Hand. Die schrie und machte die Faust. Daisy hielt ihre Linke darüber, den Zeigefinger hinein. Wurde bleich, aber machte nichts, als es klappte. Es tat kaum weh.
Syg lag am Bachrain ohne Mucks. Kroch auf den Vieren weiter, blieb wieder Beine, Arme weggestreckt. Eine Grille schrie, Sygs Hand machte einen Bogen. Der Schatten des Armes aber lief eilender, das Tier verschwand. Auf den Knieen kreist sie herum, hing über dem Mausloch in Parade gegen die Sonne zu. Dann Ruck auf Ruck kam das Tier. Sie fing es wie eine Mücke ab, fegte es in die Faust. Stieß mißmutiges Geplärr aus, das Ungeduld bewies. Schlenkerte zu Daisy, blieb neben ihr, setzte von hinten das Tier ihr in die Brust. Daisy lief aufschreiend, beide Arme im Busen suchend, ein schmaler Hund lief mit, bellte leis auf, fraß die Grille, die unten aus dem Rock fiel. Sie tanzten zu dritt im Kreis, schlugen die
Arme jedes quer über den Bauch vor Entzücken, traten das Gras, das unter ihren Beinen elastisch wieder sich erhob.
Tiefer in der Prärie bückte sich Daisy. Syg sprang ihr auf den Rücken, sah sich um.
Dann zogen sie die Hemden aus, schlichen, die dünnen schlanken Rücken neben den Gräsern, zitternd auf hohen Beinen nackt bis zum Baum. Sie legten die Hemden auf den Termitenberg, warfen zwei Steine hinein, sahen Tausende darüber wimmeln, Saft darauf spritzen. Erkletterte ein Outsider eine Wade, hupften sie rehhaft herum, schürten aus Rache neuerdings in dem Haufen. Dann griffen sie die Hemden heraus, liefen damit weit weg, schälten das letzte Tier heraus, schnauften, legten die Gesichter in das Leinen und sogen bis zum Rausch an dem Saftparfum. Als Pferde erklangen, lagen sie tief im Gras. Fidley ritt aus dem Hochgras. „Sie sehen sich ähnlich.“ Sie sahen sich an. „Syg ist dunkler,“ sagte Vaudreuil nach einer Weile.
Im neunten Jahr brachte Brown die Gouvernante ins Büro. Vaudreuil nickte hinter dem Schreibtisch. Die harte Figur der Frau schob sich zu einem Knotengeflecht zusammen. Dann wandte sie sich breit zu den Kindern. Daisy gab abwesend ihr die Hand. Vor Syg harrte die Frau einen Augenblick im Zweifel. Was in Daisys Blick an Zögerndem, Zweifelndem
schwebte, ward fest. Sie nahm Sygs Hand, legte sie in die der weißen Frau. Dann trat sie zurück, lauernd, legte den Arm um die Taille der Nurse.
Nun lockte die Gouvernante den Widerstand aus Daisy heraus. Überraschte sie mit neuen Dingen, Sachen, Sprüchen, Bildern. Sie bezog alles, was sie gab, auf sich, als schenke sie den Eifelturm, sie den Tegernsee. Sie machte Geschenke, nichtswertendes Zeug, das aber überraschte, einen Haarring, ein Ericri. Sie sah die anknospenden kleinen Brüste, wo die Warzen schon unter sanftem Rotsaft standen. Lobte die Glieder, den Hüftschwung zum Becken, die Länge der Taille, die untadelige Wölbung, mit der der Schenkel abbog, mit der das Knie in die Wade absank. „Du, du. Welche Größe habt ihr an Land. Da werden Schiffe anfahren von drüben, Prinzen kommen, Daisy zu sehen, und diese und diese Fahne wird aufgehißt.“ Aber der Reflex war von Daisy ein stummes Fragen. Anders sah sie das Weib nie an.
Da machte diese den ersten Umweg und verwöhnte Syg. Sie behandelte sie gleich einer Dame. Da von Dienstboten Sygs Stellung gleich der Daisys gehalten ward, solange sie Kind schien, aber nicht gefestigt war für weiterhin, verwöhnte sie sie damit. „Du fährst dann in Autos. Durch Städte drüben, sitzest in Konzerten. Du hast Perlen, Syg.“ Syg lachte. Ihr imponierte mehr Kölnisches Wasser, das sie auf die Haut
strich, das bitzelte und kühlte und roch. Ihre einfache Dankbarkeit kam der Frau entgegen. An Daisy aber glitt Sygs Lobgesang vorbei.