Burschen und schrien Hurras. Der junge Mann sprang im Satz an Bord. Brown fing ihn auf, umarmte ihn, zog ihn beiseite, wisperte, sprach, kicherte. Hinter seinen Gesten sah der Bursch herüber, schnitt Fratzen vor Ungeduld, trippelte, hob den Nacken, grinste ins Blaue. Brown brach ab, schnickte den Kopf, nahm ihn am Arm, führte ihn sorglich hinüber, stellte ihn vor. Sein Neffe.

Drei Stunden Zeit. Sie erkletterten Wagen, die Peitschen stäupten auf. Fuhren den Strand entlang, sahen die Muscheln angeschwemmt in Wällen, einen Fisch, den Dampfer Skania verkracht, die Kessel gespießt von Klippen. Sahen grünseidene geschnittene Rasen abgleiten, Blumenschlangen, geordnete Beete. Sahen von Basalt umstellt eine wütende Quelle, die trommelte, schlug, aufstieß, im Schweigen noch bebte. Machten einen Korso. Stiegen ab, empfanden, es war gut, war schön. Sahen sich in die Augen, sahen die Hände, die Hälse, lachten. Tranken Wein, Schokolade. Lächelten, als Browns Neffe den Lapin setzte, Brown abschob, bei ihnen landete, das Trittbrett abhieb im Schwung. Sahen seine Achseln, das Braun des Gesichts, die Hände. Sahen das weißhelle Blau um die Pupille. Fuhren durch Spaliere, hohe Drähte mit Gärten, die schwebten. Durch eine Palmenallee, Bosketts mit Hyazinthen, Springbrunnen, durch Berge Duft. Fuhren durch Straßen mit Riesenfelsen, die

selbst Dynamit nicht zerknackte, unbeugsam blieben. Fuhren unter Hebelwerken, sausenden Oberbahnen. Fahren durch ein Dickicht, ahnten Lichtes, spürten Bewegung, sahen dünn wie Lippen Gesträuch sich spalten. Sagten: „Ontario“. Sahen den See.

Sygs Tuch fiel.

Die Augen streiften, erzitterten. Drei junge Männer sahen nach einem alten Herrn, der ein Ei aufschlug, blieben daran, erröteten, drehten die Hälse zurück, schwiegen, wandten sich immer mehr um die Achse, verrenkten sich, sahen zuletzt in die Luft.

Daisy bückte sich, hob das Tuch selbst, ließ die Lider gesenkt, die Mundwinkel etwas erschlafft. Lehnte sich ins Polster. Sah Pferdeköpfe, Pferdehälse, Browns Manschetten kommen, näher, sich vorschieben, bog sich hinüber: „Zum Hafen“.

Ging rasch, behend, teilte Handdrücke aus, suchte den Kapitän, ersuchte, den Abend noch zu fahren, sah nicht zurück, pfiff dem Hund. Der Ontario lag wie Stahl. Zwei gelbe Segel flauschten groß im Mondschein vorüber. Das Wasser wellte, spielte um das Licht in riesigem Blaukreis. Sie schloß die Augen halb, zog den Kopf des Hundes in den Schoß, einen Zug Leids von der Braue nach der Stirn. Nicht um sich. Sie stand auf. Sie fuhren die Nacht durch, den Tag. Fuhren an Dörfern vorüber, wendeten, sahen sie das zweite Mal vorübergleiten. Kamen an

eine Bucht, Gelächter erscholl beim Baden. Die Linie aber wich nicht von der Stirn, die sich zum erstenmal verbog, belastete, überschnitt. Sie fuhren nach Hamilton. Nach Oswego. Legten an bei Port Hope, stellten den Dampfer ins Dock, fuhren nach dem Huron. Zwei Stunden in der Bahn, erbleichte Daisy an den Schläfen, wimmerte hinter verbissenen Lippen, fiel in Ohnmacht, erwachte die Nacht, fiebrige Augen im Dunkel. Sie brachten Essen, Trinken. Sie starb fast unter dem Drängen. Gegen Morgen frug Brown: „Was willst du?“ „Zurück“.

Sie hielt dort an sich drei Tage, saß still bei der Mahlzeit im Garten, fixierte manchmal das Auto, das kam, fuhr. Knüpfte nach dem Lunch eine Hängematte auf die Veranda, stieß den Laden zum Privatbüro zurück, schaukelte; als Vaudreuils Kopf über ihr war, sprang sie auf, eilte über die Diele, trat in das Büro, bat, daß er Syg adoptiere, stand mit ausgebreiteten Armen gegen die Wand.

Der Marquis blieb am Fenster, legte ein Messer auf den Papierstoß, schnickte das Kinn hoch, zweimal, sah auf das aufgeschlossene Gesicht der Tochter, aus der die Bitte troff, ein Leid sich weit erhob, starrte, nickte, aber sein Blut, das ohne Dünkel war, sträubte sich gegen das andere Blut, auf das sein Name, sein Blut sich legen sollte. Sagte: „Sie muß sich gewöhnen, noch mehr Schmerz aus ihrem Blut zu haben.“ Tonlos,