ohne Bewegung schlug Daisy die Lippe auf: „Sie würde es leichter tragen.“ Ein Spalt warf das Lächeln des Vaters über sie, überlegen, kühl: „Das ist kein Vorteil.“ Aber von ihrer Haltung ging es über ihn und was er vorbrachte hinaus: „Sie wird es stolzer überwinden.“ Da beugte der Marquis den angezogenen Nacken, machte eine Bewegung mit der Hand, unwillkürlich, schwach, aber mit einer Bedeutung, die sie ehrte und grüßte. Sie wurde rot, das Straffe, das sie geführt zum Erfolg, zur Sicherheit, ließ ab, entfaltete sich in eine rührende Bewegung. Sie ging hinaus.

An der Tür sah sie ihn gebückt, er schob eine Kassette auf, vernahm ihren Namen, weich eingehüllt von ihm. Er zog die Nickelschlüssel, gebogene, drahtschlanke, barocke, wählte klirrend, schob auf, kam auf sie zu, sie ging entgegen. Er sprach beiläufig, ruhig, gewohnt: „Die Frauen trugen sie zur Hochzeit. Dann ihr Leben. Ich gebe sie dir früher.“ Sie trug eine Kette aus gelbem geflochtenem Dukatengold, daran drei achatne Kugeln.

Lief stracks zum Schiff, winkte, kam näher, sprang auf das Brett, rief nach dem Steuermann. Sah seine

Hand, die die Luke aufstieß, zerlegenes Haar, die Hemdsärmel, die Riemen, geblendete Iris. „Was willst du für Well,“ sie deutete mit dem Fuß auf den Wolfhund. Er fuhr mit dem Unterarm über die Stirn, rieb den Handrücken über die Augen, zeigte rasch die Zähne, schüttelte wirbelnd die Hand. Nein. Sie kam in der Dämmerung wieder, hob die Luke, stieg zur Kajüte, stellte sich in die Tür, ließ sie offen. Fragte. „Nein“. Sie lachte, kokettierte, betastete sein Messer, das grüne Glas, den Wandkork, verzog die schelmisch gestreiften Wangen, sagte zweimal plötzlich: „Ich lasse Sie entlassen,“ ging mit hängenden Armen. In der Nacht bellte es im Garten, ein Hund bellte wie auf der Jagd. Sie öffnete die Balkontüre. Well im Garten stand naß, triefend, außer sich. Sie öffnete unten die Haustür, ließ ihn herein, er legte den Kopf auf ihr Knie. Wie auf dem Schiff. Sie vergaß es nicht.

Ging früh zum Dampfer, trat aufs Brett, zog es ab, fuhr zurück, rief in die Luke, sah unten den Kopf des Steuermannes. „Ich bringe Well zurück.“ Ging mit langen Beinen rasch hinauf. „Do . . . do . . . Daisy . . .,“ schnatterte die Nurse, faßte ihr Kleid, küßte es, den Arm, schloß sie an den Busen an, schmatzte, schlug die flache Hand auf den Mund, tremolierte. Hatte von Vaudreuil ein kleines Haus, zwei Kühe, eine Magd. Klatschte in die Hände, summte still vor

sich hin, trat mit dem rechten Fuß dazu auf. Im Gang tollte Well. Sie ließ ihn zurücktreiben. Saß allein in ihrem Zimmer, schob das Hemd ab, sah im Spiegel über dem bronzenen Körper die Kette mit den Kugeln, als liefe ihr Blut hinein, ihr Alleinsein, ihr noch Unbekanntes, Umschwebendes, ungeheuer Verhülltes, glänzender und kühler als ihre Haut, aber ihr zugehörig. Wie ihr Bein, ihre Warze, ihr Schmerz.

Der Steuermann am Morgen stand auf der Diele, zerknitterte den Hut, nickte mit dem Nacken, breitete das Maul aus, fletschte, hatte einen Sohn im Büro, spritzte Kautabak, fuhr Pelze seit Jahren, Schiffe, Städte, Stapel . . . kaute seine Frau heraus, gab ihr Reiz, Alter, ein schiefes Ohr, Zufriedenheit . . . riß den Hut hoch, die Tür auf. Well stob herein. Er war unbrauchbar. Sie hatte ihn verdorben. Er blieb nicht mehr. Er brachte ihn fluchend, Zwinkern in einem Auge. Sie suchte nach einer Note. Er nahm sie nicht, hätte ihn nie verkauft. Er wollte ihn nicht mehr. Gab ihn ab. Ging. „Gib ihm ein besseres Schiff,“ sagte Daisy Vaudreuil, „ich will nicht, daß er mir schenkt.“

Den zehnten Dezember fuhren sie nach Montreal, hoben Syg aus dem Auto, hoben sie adoptiert hinein, kauften den Tag über, machten Kommissionen, besahen, beschauten den Mittag, stopften ihn voll, eilend, häufend, bis er abbrach, die Dämmerung kam mit Laternen. In einer Schwebebahn glitten sie aus ihnen heraus.

Weiß eingenietet brach die Landschaft gegen den Himmel. Das Nachtlicht flog eisern über Kanäle. „Halt“.

Daisy stieg aus, sie suchten ihren Schleier, fanden ihn, stiegen ein. Am Trittbrett wandte sie sich langsam herum: „Nehmen Sie vor uns Platz, Fräulein.“ Sie übersah den Lehrer, zog die Achseln ein wenig an, schüttelte sich, legte den Arm auf Sygs Schoß, die ihre Grausamkeit nicht begriff. Vor dem Schlafengehen gaben sie sich die Hand. „Du bist froh Syg?“ „Ja.“