„Arme, doch wirst du in Firenze nichts tun wie liegen und blaue Luft atmen.“ Sie legte den Kopf an Sygs Brust und liebkoste sie mit der Wange, denn die Erinnerung der Schmerzen, die Syg gelitten, quälte sie in dieser Stunde der Seligkeit mehr, als sei es ein eigenes Leid.
Die Uhr schlug. Syg gähnte; zog die Beine herauf und schüttelte die Locken, reckte die Arme. Sie war zu faul zum Aufstehen. Sie schellten nach dem Frühstück. Die Zofe brachte es zuerst Daisy an die linke Seite des mit breiten Stäben gegliederten Messingbettes. Sie wies nach Syg. Das Mädchen sah verwirrt von einer zur anderen. Sygs blaues Haar wallte um das ovale Gesicht, sie hatte das Kinn auf die
Hand gestützt. Sie sah mit den Augen, die tief und wundervoll ausgeschnitten und mit leidenschaftlichen Schatten befiedert waren, dem Mädchen zu. In ihrem Weiß lag ein violetter Schimmer.
Sie wurden ohne Pause verwechselt. Die Bonnen kannten sich nicht aus. Der Kutscher stammelte. Ärgerlich rief Daisy: Pha . . . lux . . . Freunde vertauschten sie. Aber dies band sie nun erst aneinander, denn in jenem Wechseln der Körper und Erscheinung fühlten sie hingegebener die Harmonie. Sie lachten sich an vor dem Spiegel. Sie zogen sich verschieden an, machten sich unähnlich.
Syg trug die Haare hoch um einen dreigezackten Pfeil, Daisy zog sie unter einer Perle, die über der Stirn lag, halb über die Ohren und scheitelte den Kopf. Syg trug dunkle Seide. Daisy ging ganz weiß, der Wind schmiegte sich in die kleinen Blumen des Battists und der Boa.
Umsonst.
Sie tauschten den Puder, die Korsetts, die Rotstifte. Syg blaßte ab wie ein Pierrot. Daisy ging mit anmutig erhellten Wangen. Doch wie sie sich bemühten, stieg die Verwirrung. Da gaben sie nach, Syg hatte eine Grimasse, sie tauschten die Rollen.
„Sie baten mich, die Kette zu besorgen“, sagte ein junger Kanadier, reichte Daisy ein Etui.
„Es war meine Schwester“, sagte sie. Sie trug
ein silbriges Abendkleid mit Schwarz, ging hinaus, Syg zu rufen.