Aber Daisy vergaß den Ausdruck nicht, mit dem Syg den anderen angesehen. Sie blieb den ganzen Tag dicht neben ihr, als ob schon die Entfernung eines Zimmers, der Raum einer Wand sie trenne.
„Ich danke, daß du bleibst“, sagte sie stockend, als sie in den breiten Mondstrom hineingingen. Sie kamen dreimal um das Bassin, dessen Rotunde in Marmor glühte. Das Gras war blau und Dogo hing in einem Kreis von Fächerschatten. Als sie um die Hecken bogen, stand der Mondschein gezackt als Segel über dem Garten, der unter ihren Füßen schwebte.
„O“, sagte Syg mit plötzlich ganz erhelltem Gesicht, „ich freue mich, daß du dies sagst.“, Sie gingen hinein, Daisy stumm vor dem Glücksgefühl, das diese Antwort ihr gab. Aber auf der Treppe zögerte ihr Fuß. Sie spürte, wie unrecht es sei, daß auch ihr Wunsch nur Syg halte. Aber sie sagte nichts.
Am nächsten Tag fuhr Syg im Métro zur Etoile, besuchte eine Dame in der Avenue Wagram, schloß das Tor, fuhr zur Seine, stieg an der Madeleine aus und suchte zur Oper zu ein Geschäft. Sie sah in ein vorübergleitendes Auto. Ein Herr sprang heraus, in höchster Erregung auf sie einsprechend, sie sah seinen Bart zittern, die Leute blieben stehen, als er schrie. Sie nahm ihr kleines Stilet, drängte ihn bis an den Rand, er sprang in sein Auto, verdeckte das Gesicht. Sie sah um. Ein Photograph knipste und kurbelte neben
ihr. Ein Herr mit einem Notizbuch zog den Hut. Sie machte eine rasche gewandte Bewegung, glitt zwischen dem Haufen durch, mitten in ein Orchester, das vor dem Café konzertierte. Sie saß eine halbe Stunde vor einem Whisky. Dann fuhr sie heim.
Zwei Tage sprach sie kein Wort über den Vorfall. Sie lebte neben Daisy. Aber die Worte, die sie gehört und die nicht ihr galten, sondern Daisys Leben herausrissen aus Stunden, die sie nicht ahnte, entfielen ihr nicht. Nachts setzte sie sich neben Daisys Bett und sah sie stumm an. Aber die Worte spannten sich zwischen sie und die Schwester und trieben sie auseinander. Sie vermochte nicht mehr, den Blick unbefangen auf Daisy zu heften.
„Du hustest?“ frug Daisy und fuhr aus dem Schlaf.
Syg schüttelte den Kopf. Daisy preßte die Lippen, als die Schwester schlief. Sie fühlte, wie die Unbefangenheit riß, die Ruhe wankte, sie bangte um die Schwester und wagte nichts zu sagen, denn sie fürchtete, daß dann das Helle aus dem Himmel falle und die Kraft daraus lösche. Sie lag lange wach. Plötzlich öffnete Syg die Augen, schloß sie wieder. Mittwoch Nacht sagte sie, daß sie reise. Daisy sagte kein Wort. Sie gingen nebeneinander durch den Garten, als sie fuhr. Zwischen den Winden und Bohnen stand mit hohen, schlanken Beinen der Gärtner. Sie stiegen ein.
Die Räder rollten.
Sie fuhr zurück.