Mond über einem Ölbaum. Der Mann schlug Schleifen, ritt ein Stück mit ihr im Fluß. Der Küstenstrich war alarmiert, er ritt zurück. Eine Finte. Seine Ohren standen steif vor Anspannung. Die Gäule stoben durch Gestein zurück auf einen Hügel. Vor dem Himmel gebrochen hingen Bergzüge in die Weißnacht, darüber eine Kuppe wie ein Segel geflaggt. Hinzu trieben sie in Wälder. Als sie den Gurt durchbrachen, Zweige um sie schnellten, flammte die Sonne auf. Sie kamen an ein Bambushaus. Er stellte die Leiter an, ging in den Verschlag, zog die Leiter hinter ihr ab. Als er sich umdrehte, ward sie unwohl, die Periode erfüllte sie mit Nebel, warf sie um. Abends, als sie die Augen aufschlug, entdeckte er es. „Vier Jahre“, sagte er, seine Hände zitterten. Sie sah an seinen Fingern hinauf, hinab, schlief ein. Anderen Tages mußte sie reiten. Sie ritt.

Sie ritt mit ihm, der unter holländischem Lampenhut das Kostüm des nördlichen Chinesen trug, um die Wette. Schlief bei Tage. Fuhren nachts in Lagerfeuer. Eingeborene zwischen spritzenden Spänen sausten, die Fäuste in den Augen, in die blonden Felder. Ölbäume zitterten erregt unten in Ebenen. Sprach kein Wort mit ihm, nur an seinen Händen sah sie die Sehnsucht von Jahren. Als sie wohl ward, kniete sie, beugte sich über den Kopf, der quadratisch geschlossen schnarchte. Beugte sich tiefer, roch ihn, empfand die Gewalt,

schlug die Zweige zurück, auf Schuhspitzen und Handflächen schlich sie in eine Rinne, kam an den Rand, pfiff die Gäule, ritt nach der Küste zurück. Hielt am Mittag. Von ihrem Gesicht fiel ab, was sie gelebt das Jahr und was sie erwartete. Sie lauerte, überströmte sich mit Blut. Kehrte um, wandte den Rücken, schlug Stefan einen Pfiff, machte Bogen, führte die Gäule rechts und links am Halfter, rannte mit ihnen ins Wiesenwachs, ließ los . . . zwei Bogen sausten in den Horizont. Sie schlug sich morgens zu einer Karawane. Um sie Sand. Nach dem Berg zu. Allein.

Mitten trugen sie einen Alligator, vorn ein Parah mit Weibern für Bergradjahs. Die Armenier liefen beim Halt nach vorn, starrten in das Kattun. Daisy gab einem Ceylonier ein Messer für einen Esel. Er sah auf ihre Weiberhand, mißtraute ihr in dem Jünglingsrock mit abgeschnittenen Haaren, bedachte, es sei ein politischer Emissär, meckerte, sah Rebbach in der Beziehung, blieb treu neben ihr. Abends hob sich der Kattun des Vorderkamels. Hüften schaukelten prall und weiß. Ein Tuch fiel. Eine Auge grell nach Fleisch suchte das ihre, die Lider senkten sich, der Kattun verschluckte nicht das Zeichen. Es galt ihrer männlichen Kleidung, der tänzerinnenhaften Bronzeschlankheit. Am Morgen kreuzte sie eine Karawane. In der zweiten Reihe ritt Stefan auf sie zu, sie erstiegen

einen Palankin, sie schloß die Augen. Wieder roch sie seinen Körper, dessen breite Muskeln sie fast zerbrachen. Demütig nahm sie seinen Zorn, seine Beglückung. Sie hoben sich aus den Knien. Der Kattun beim Vorderkamel stieg in die Höhe, das Zeichen des ersten Feuers kam. Dolche sahen in den erhellten Palankin. Wütend schlug der Kattun zurück. Das Weib heulte die Nacht, geschändet in ihrem Geschlecht, denn das Tun der beiden Männer im Palankin war ein Greuel. Am Gebirge bremsten sie, trennten sich von der Masse, schlugen sich in die Täler. Ein sanftes Gesicht wandte sich ihm zu, als sie allein hinter einer Düne standen. Allein die Fremdheit dieser Ergebung füllte ihn mit Mißtrauen so, daß er sie mehr beobachtete, als hätte sie Fäuste in sein Gesicht geschlagen. Doch sie tat keinen Laut, ergab sich und war in ihrem Erleiden und sich Schenken von einer Entferntheit, die ihn rasend machte hinter seinem steinernen Gesicht. Entfernte sie sich: „Halt“. Ging er vor ihr, sahen zwanzig Augen aus seinem Rücken. Führte sie, fraß sie sein Blick. Doch je mehr er sich bemühte, um so mehr gab sie sich ihm schrankenlos in die Hand. Allein er empfand auch hierin nur, was sie verschwieg.

Als ihr die Milz schwoll vor Feuchtigkeit, Fieber ihr Hirn verwirrte, trug er sie am Leib an einen Sonnenabhang. Das gesteigerte Blut wehrte sich, sie schlug ihm das Gesicht auf. Als das Licht das Fieber aus

ihrem Körper warf, sah sie das Blut. „Ich schlug dich nicht“, sagte sie. Er schwieg. Da küßte sie seine Hand; „Verzeih.“ Sie lag wie ein Kind an ihn geschmiegt. Er sagte nichts, denn er besaß.

Je mehr er besaß, um so stärker zog er sie in den Kreis, den seine Kraft um sie schloß und sie bedingungslos ihm gab. Bronzekörper fielen hinter sie zurück, Geschlitzte trieben Yaks auf Abhänge, tranken Alkohol, schrieen die Nacht. Er band sie mit jedem Gedanken, als es schneefrei ward. Ihren Willen schied er aus. Seinen pumpte er ein. Ihr Schritt ward bestimmt. Das Moos für den Fuß bezeichnet. Selbst ihren Gang, da das Unaussprechliche ihrer Ergebung ihn wie mit tausend Widerständen peinigte, regelte er nach Tempo, Biegung, er hätte versucht, sein Blut ihren Adern einzuführen, das dunkle Letzte suchend, was er besitzen wollte. Die Nacht nahm er ihr die letzte der achatnen Kugeln. Im Morgengewölk entblätterte die Spitze. Ein schnurgerader Weg in Fels gemeißelt blitzte hinauf. Links, rechts sausten Abgründe. Am Ende oben stand ein Bau. Zweimal stieß Stefan vor, kam zurück. Das drittemal war er bleich. Er untersuchte die Abstürze, den Stein, blieb die Nacht weg. Am Morgen kam er: Aus. Rot im Weiß des Auges. Die Hände hingen schlaff. Sein Mund murmelte die Stationen, die in vier Jahren die Sehnsucht ins Irrsinnige gesteigert: „Paris . . . Marseille . . . Kalkutta . . . Pegu.“

Sie lächelte, band den Gürtel schräg, torkelte, strich die Sandalen ab und ging mit einem kühlen Schatten neben sich los. Auf das Tor zu. Klopfte den vierfachen Rhythmus, es schloß sich hinter ihr. Sie glitt in die Welle, die im Kreis des Hofes brauste. Senkte den Kopf, schritt mit, strich nach zwei Stunden von der Peripherie, sah ein gelbes Band, kam in den zweiten Stern, sprach eine Minute, glitt durch die Barriere in die innere Drehung. Die gelbe Binde verschwand, bückte sich. Ein anderer wiegte an der Seite. Sie kam näher der Kuppel am Mittag. Der Kreislauf faßte sie enger um die Mitte, schlang sie ein, trieb sie in den innersten Kern, sie flog von Schleife in Schleife, glitt an ein Metall, es erzitterte, nach fünf Minuten kam sie bleich mit einer Tafel. Den Kopf gesenkt, die Welle nahm sie auf. Langsamer und vorsichtiger spie sie sie aus. Ihr Bein tat weh im Torkeln, aber das vergangene Jahr verließ sie nicht. Sie strömte durch das Brausen, die Flügel des Umschwungs geleiteten sie mählich, hochmütiger aus dem Herz des Sternes. Gegen Abend zog die Menschen-Mühle mit Schweigen, sie bog in die äußerste Peripherie, stand abgestoßen vor dem Tor.

Es war dunkel. „Komm“, sagte sie.