Das Ufer neben ihnen, ein hoher Damm, scharf vor den Himmel gelegt. Auf ihm fuhr in gleicher Linie wie sie ein Pferd. Es zog ein Karreol, flach und groß wie ein Kanoe. Drin saß ein Mann. Sie fuhren nebeneinander. Fribaurt deutete mit der Spitze der Pfeife nach ihm. Der Wind zog stärker. Die Blase des Segels neigte sich schaumig gegen das Wasser. In silbernem Regenbogen hing eine Springwelle an Lee. Sie starrten hinüber. Es war, als bewege sich keines, nicht sie, nicht das Pferd, . . . als blieben sie festgehaftet wie Brennpunkte in dieser Ovalen von Himmel und See. Fribaurt zog die Augen zu Schlitzen zusammen. Jerkins, die Hände vor dem Mund, die Brust aufgesogen wie ein Schwamm: „Hall . . . lo . . . o!“ Sein Organ schlug den Wind mitten durch und traf drüben auf. Der Wall schickte vier Echos herüber. Keine Antwort von dem Mann. Jerkins quoll blau am Hals: „Hallo . . . y . . . lo!“ Eine Pause zitterte, die dünnen Echos quirlten . . . dann kam die Antwort, kalt: „Holla!“ Jerkins stand am
Großbaum, klemmte die Wange ans Holz. „Haltet Ihr die Wette nach Aarvik?“ Sie lauschten. Dann eine schneidende helle Stimme: „Am Arsch.“ Sein Pferd sprang über eine Wolke, Staub ringelte sich in einer umgelegten Säule hinter ihm. Der Damm bog landeinwärts, eine rötliche Spirale. Daisy verstand nicht, was er norwegisch rief. Sie sah nach Jerkins. Er machte ein verschlossenes Gesicht. Der Schiffsjunge fletschte ein Grinsen von Ohr zu Ohr. Daran verstand Fribaurt die Antwort. Sein Schnurrbart zuckte, er wandte sich zu Daisy und lobte die Farbe der Mövenfedern.
Jerkins warf das Ruder herum, halste, das Ufer zog sich tief zurück . . . um eine Halbinsel, einen kleinen Fjord. Der Berg hob sich von zwei Seiten. Auf der jenseitigen mitten in der Spirale peitschte der Fahrer sein Pferd, am Ende des anderen Abfalls lag unten Aarvik. Sie warfen Anker, gingen im Beiboot ans Land. Ein helles Wirtshaus mit einem Garten, die Terrasse mit Bäumen, dahinter die Ebene vom Morgen . . . die flimmerte . . . unten am Fluß mit roten Dächern Aarvik . . . idyllisch unter dem Berg. Auf seiner Spitze hob sich eine Flamme Staub, das Pferd kulminierte, die Karriole kam in die Schleifen des ihnen zugewandten abfallenden Teils, verschwand in einer Schlinge. Nach einer Viertelstunde klapperte sie an hinter dem Haus. Ein Schock Matrosen lungerte
um die Kneipe, graue Zipfelmützen im Nacken. Der Wirt schmiß sie heraus. Sie drängten nach. Einer stieß mit dem Knie einer Magd in den Hintern, sie schrie: „Dumme Schicksen.“ Der Wirt zeigte auf ein Holzbrett, sie schüttelten die Fäuste. Er nahm es herunter, hielt es sich vor den Bauch. „Ein kleines Faß,“ schrieen sie, „wir scheißen auf das Verbot.“ „Dåd og Pine . . .“ mit Knie und Faust drückte sie der Wirt die Steintreppe runter. Sie maulten, einer zog den Wirt an einem Westenknopf neben sein rothaariges Gesicht und flüsterte in sein Ohr. Der Wirt brüllte auf, stieß ihn in den Magen, daß er wie ein Messer einknickte. „Kotzt Lumpen“, seine Zunge hing raus vor Wut, er trat dem Mann auf die Schenkel, der sich verkroch. Da fuhr die Karriole auf den Hof. Sie sahen den Aussteigenden nur vom Rücken. Er schrie durch den Radau, seine Matrosen rieben sich die Hände an den Hosen. Er rief nach dem Weg über die Brücke. „Abgerissen.“ Wieder gab es einen kurzen Krach, da die Matrosen sich beschwerten. Der Wirt dienerte. Zwei der Leute schirrten den Gaul aus. Der Geprügelte riß plötzlich dem Wirt die Hosen auf die Knie. „Had djävelen . . . ich schlag dir in die Fresse.“ Die Matrosen gröhlten, steckten die Hände in die Taschen und johlten, bewegten sich mit den Hüften vor und zurück. Ein Faß rumpelte. Der Fremde winkte, die Matrosen kicherten und verrollten sich langsam.
Der Wirt verzog das Maul, stellte das Brett zur Seite, schielte giftig zu den Abtrollenden. Der Fremde warf seine Gamaschen einer Magd zu. „Hafer . . . mir ein Bett . . .“ Der Gaul hob den Schwanz und strich einen großen Furz. Die Matrosen quakten herüber, schlugen sich die Schenkel vor Lachen. Der Fremde sprang ins Haus.
Jerkins schlenderte, die Hände in den Taschen, ins Haus, kam zurück. „Wer?“ fragte Fribaurt. „Sven Mair.“ Daisy bog sich zu Fribaurt: „Wer ist Sven Mair?“ Fribaurt lächelte mit dem Schnurrbart, strich seine Hand mit der anderen: „Jerkins Feind.“
Die Zimmer lagen nach der Seite des Flusses. Eine lange Nacht voll Geräusche. Die Hunde bellten, wurden plötzlich still. Aus dem Bootshaus soffen die Matrosen in die Gegend, sangen, rollten langsam in ihre Kabinen. Kurz die Stimme des Fremden unter seinen Leuten, dann Stille wie Blei. Das Meer stand in uferlosem Schweigen. Die Felsen kühl und geheimnisvoll über dem Wasser, panische Stille . . . sie schloß unter ihrem Druck die Augen. Stunden gingen. Schlaf und Wachsein verschwebten in einander. Plötzlich riß sie wilder Spektakel auf. Sie eilte ans Fenster. Zwei Karriolen rollten vor das Haus. Die Nacht war weiß. Kupfriger Schein spann über die Landschaft. Drei Burschen bläkten die Zähne, schrieen:
„Sven.“
Schritte gingen über ihr, die Gesichter schauten hinauf. Ein Pfiff, ein gedämpfter Ruf von oben: „Skideriks.“ Sie grinsten nach oben. Ihre Nasen, ihre Ohren, die Farbe der Augen — alles sichtbar. Angelgeräte auf den Wagen, die Pferde bissen schaumkauend auf dem Eisen. „Sven . . .“ Da trat er heraus aus der Tür unter ihr, ein Schatten lief vor ihm rasch über den bläulichen Boden. Er hatte Lachszeug über der Schulter, schmiß es in seine Karriole, krempte die Hosenbeine bis zum Bauch, nahm zwei Pferde, trieb sie in den Fluß. Schreiend warfen die aus den anderen Karriolen sich auf die Gäule. Der Fremde drehte sich um, sah nach dem dritten Gaul, bis an die Knie im Wasser. In der Helligkeit sah sie sein Gesicht. Da wuchs aus der Nacht der Schlag, hieb besinnungslos in sie, stürzte wie eine Feuersbrunst zum Herz:
Dies Gesicht ähnelte Caspare Symes.