Der fünfte Abschnitt

Die zwanzigste Schüssel . . . sie hing das Tuch an den Ständer, goß den Zuber aus, stülpte die letzte auf die Neunzehn. — „Durst.“ Sie brachte Wasser an ein Bett. Sie schaukelte den Zuber in die Badewanne, ließ heißes Wasser einlaufen, nahm Soda, griff in Schmierseife, schlug Schaum mit einer Bürste. Nun kamen die Näpfe. Mit einem Zangenpinsel fuhr sie in den Hals der Urinenten, bog den Draht, schabte den Kalk innen ab. Das Wasser sprudelte. Sie wusch den Nachtstuhl aus. Die Tür weit offen . . . es dampfte nach Kaffee. Sie schaukelte das Wasser in die Wanne, wusch die Wanne aus mit Seife und Sand, schaukelte den Zuber mit den Henkeln auf der Wanne unter den Hahn.

Neues heißes Wasser . . . es lief nicht mehr. Sie schob den Schalter langsam herum und hielt ein Streichholz daran. Der schmale Gasofen an der Wand spie nach unten Ruß, nach oben die blaue Flamme, es donnerte. Sie sprang in die Flamme, schob den Schalter zurück. „Langsamer öffnen“, sagte eine Stimme hinter ihr. Sie öffnete langsam, entzündete das Holz. Der Ofen explodierte. „Langsamer sage ich . . .“ Ihr rußiges Gesicht sah

um. Langsam öffnete sie, die Stichflamme schoß in das Zimmer, das Gas knatterte irrsinnig, an der Decke das Licht losch aus.

„Schreiben Sie auf: der Ofen wird repariert.“

Sie nahm ihr Buch, notierte es. Es stand zum drittenmal mit Blei geschrieben. Jedesmal untereinander. Der Ofen wurde nicht repariert.

Die Türe fiel hinter dem Arzt.

In der Dämmerung wusch sie die Becken im kalten Wasser. Dann trug sie Bürste, Pinsel, Stuhl hinaus. Auf dem Gang standen Sechs vor einem Tisch in Hemden und wuschen sich Hals und Brust. „Meine Zahnbürste.“ „Schlappmaul . . . meine.“ Ein Rippenstoß . . . sie torkelten im Korridor. „Laßt mich durch.“ Sofort wichen sie zur Seite. Das Klosett verschlossen: „nicht in Ruhe einmal scheißen . . .“ Sie wartete ruhig. Sie bückte sich unter den Tisch. „Deine Zahnbürste — — —“ Der Mann winselte. Im Klosett keifte es. In hängenden Hosen erschien er dann in der Tür, ungekämmt, rieb sich die Augen mürrisch. Als er sie sah, ging er auf die Seite, wich ihr aus, senkte den Blick. „Falle nicht,“ sagte sie, „der Boden ist naß.“ Die sich wuschen, tuschelten nur noch miteinander, Mund an Ohr. Sie machte das Fenster auf im Klosett, zog die Wasserspülung, wusch den Boden auf, rieb das Porzellan glatt. Der Schnee draußen schimmerte frostig. Sie schloß das Fenster.

Ihr Name flatterte zweimal im Flur. Sie stand neben einem Bett. Sie nahm zwei Beine, hob sie hoch. Die dicke Schwester, die den Kopf hielt, schrie den Mann an mit drohendem Baß, die andere band ihm die Hände fest. Der Schwären auf seiner Weiche juckte ihn so, daß er nun hüpfte im Bett. Die Dicke gab ihm Kaffee in den Mund, das Brot.

Sie fuhren die Betten in die Ecke. Achtzehn. Die freie Seite kehrten sie, wanden Lumpen um die Besen, wuschen auf, ließen trocknen, fuhren die Betten herüber, bewältigten die andere Seite.