Das Gefühl durchdrang den Tag, machte Weichheit hingegebener an das Umgebende, das Umgebende tiefer verliebt in sie. Die Riesennelken der Beete brachen auf unter ihrer Berührung, die Zinnfiguren trugen ihr Lächeln, die Mauern wichen tief vor ihrem Blick in den Himmel. Das Tor fiel auf. Unter den Lerchen flog betäubend der Horizont auf. Bienen schossen in dunklen Bogen, die Wiese, die sie berührte, flammt gelb und zart. Sie gingen, nahmen auf, gaben aus. Liebkosten Rehe, scheuten die Saue auf, lachten sie zurück. Nahmen Pferde an der Ferme, trabten durch die Feigen, um den dreizackigen Wolkenberg, speisten Zwiebel, Butter, Brot, sanken im tiefen Schatten in Schlaf. In die violette Dämmerung ergoß sich ihre Ruhe. Kein Wort. Er hielt ihren
Halfter, sie gaben die Gäule ab. Ein Fasan lief über den Weg, Pfaue gingen in einer Kette. Die Bäume der Allee fielen in rosane Glut. Stefan nahm eine Göttin, hob sie auf die Erde ins Gebüsch, stellte Daisy auf den Sockel. Sie senkte die Beine in einer von Anmut so erfüllten Bewegung, daß ihr Knie seine Stirn traf, dann seinen Mund. Sie spürte ihn, war plötzlich allein. Suchte, rief seinen Namen. Kam an den Pavillon, verwirrte sich in den Gladiolen, lief in der Gartenstrecke, kam an die Lichtung. Die Terrassen hingen beleuchtet. Ein Fest. Die Fenster hell, Springbrunnen fluteten durch die Nacht. Atemlose Stille. Ihr Name kam breit und voll Sehnsucht geworfen. Sie ging hinein in den Namen, besinnungslos.
Sie verließ ihn, ging hinaus, sah den roten Mond durch die Pappel schwimmen. Das Wasser. Das Bassin überschäumte weiß, bläulich ihre Haut. Tritone sangen über ihr. Den breiten Guß eines Löwen fing sie mit der Brust. Die Blumen schwelgten in der heißen Luft. Das silberne Füllhorn schäumte unter der Sichel. Es überkam sie Sehnsucht, mehr ihm sich noch zu geben, Furcht, etwas zu versäumen, Schreck, daß das Schicksal niedersause. Sie überließ sich dem Wasser. Langsam kam die Ruhe, die einbezog sie in das Geschehen der Nacht. Im Stillerwerden der Luft ward es klarer in ihr, bis sie den Ausgleich erreichte, wo nichts sie rührte, alles sie verband. Sie
ging hinein, suchte, traf ihn in seinem Schlafzimmer, die Stirn am Fenster, er hatte ihr zugesehen. Sie lächelte. Ihr Blick sah hinter ihm im Kreis der Lampe eine Schale. Sie erbleichte. Zog zwei Kugeln heraus, nickte zu einer, hielt die andere sprachlos ihm auf der offenen Hand entgegen. Ihr Augen säumten sich, wurden klein.
Sie frug mit dem Blick.
Ihre Lippen trugen den Namen.
Heiser sagte er:
„Le Beau.“
Befreite er ihn, klappte das Messer, riß die Schlinge, flog die Mine, die ihn erledigte. Er hatte noch kurze Zeit, bis das Schicksal fiel, lebte, die Uhr in der Hand. Solange bedurfte er die Sicherheit gegen jede Möglichkeit. Er hatte Jahre sie gesucht. Paris, Marseille, Kalkutta, Pegu . . . hatte sein Leben umgestülpt, auf sie gerichtet, wurde gut an ihr. Was wog die Ausnahme gegen das Ganze? Nichts. Das Gewaltige seiner Änderung umfing sie, als sie verglich, trieb sie zu ihm, unter ihn: „Ich bin bei dir.“
Nachts stand der andere auf, forderte. Sie tat Unrecht, um Liebe zu erweisen. Sie hörte die fadendünne Stutzuhr, sah die Sonne prallen gegen die Rideaux. Wischte die Nacht weg. Aus den mähnigen,