auf das Wasser. Dunkelblau gemeißelt stieg das Meer, ungeheuer gereckt mit metallen gekühlter Wut. Die Möven, hochgerollt, hingen eine unbewegliche Schlange vor dem Himmel. Alles trug ihren demütigen Sieg ihr zu. Am höchsten Triumph spürte sie die Lücke. Es genügte nicht. Das Letzte fehlte. Woher?

Sie hatte Sehnsucht, wußte nicht wohin.

Was Menschliches zu tun war, flammend war es getan. Sie war zufrieden. Nichts störte ihr Treiben. Im Lallen des leprosen Idioten formte sich glühend ein Glück. Hatte entsagt dem Eigenen. Nichts Einzelnes sog, lockte, begehrte. Entwichenes pries nur ihre Unermüdlichkeit. Kein Phantastisches, Gewähntes verwirrte. Dennoch fehlt das Letzte, stieg das Sehnsüchtige unerträglich. Dreieck spannte sich aus den Brauen, ihr eisgrauer Blick streifte das Meer.

Ihr Rücken stieß an etwas.

Ein Baum.

Der Saft zog in sie, ihren Leib, die Schenkel, das Herz. Das Meer ward ein Spiegel, scharf, nebellos: Smaragdene Inseln tauchten aus Fächern der Sonne. Abends kamen sie ins Freie. „Meer“, schrieen sie. Die Sonne sank blutrot über Herden neuer Inseln. Phalux. Der Ottava rauschte, Flöße und Feuer. Warum flog der Körper nicht über das Segel. Tausend Klüver wiegten auf dem Ontario, schliffen träumerisch den Horizont stahlblau . . . .

Sie senkte die Lider, hielt die Sehnsucht fest im Innern, sie durchdrang sie mit dem Saft in jeder Pore. Ihr Leib und der Baum hoben sich, ineinandergeflochten, zum schlankesten Instrument der Sehnsucht. Standen im Traumgrau der Landschaft aufgerichtet, eine Flöte. Der Klang des Blutes, weich sich hebend, nur nach Getrenntem gierig, war Schmerz des Rohrs nach der Weide, aus der es geformt. Wurde tigerhaft, stürzte durch die Gefäße, ein Aufschrei: zurück zur Heimat.

Der Morgen ging auf.

Ein Segelschiff bootete aus. Sie nahm es. Eine Stadt entschwand. Nebel rollten unter der Sonne. Unter braunen Segeln entschwand glühend das Kupferbergwerk in die Klippe. Noch einmal standen die Flaggen starr. Dann fraß das Meer mit einem Ruck das Ganze.

Stand am Schornstein, ging auf Verdeck mit großen raschen Schritten, schaukelte mit jeder großen Woge, ging hinunter, hinauf, es kam ihr entgegen. Der magische Pol ihrer Jugend streifte ihr zu, je näher sie rückte. Studierte Barometer, Karten, die Lotung. Traf Beamte, frug, sah den Kapitän, lächelte. Wind trug ihr Frische zu. Schaum, vom Bug heraufgeschlagen, legte sich köstlich auf ihre Haut, Schmelz blühte sie hoch. Abends unter der eingeholten Fahne kam es: Sie hatte Kraft verbraucht, ihr Leben hingegeben, Stück für Stück vergeben, gezahlt im Guten wie im Bösen. Die Spannung blieb wohl, die sie schnellte.