Eines nachts kam er wie außer sich. Er vermochte aus irgendeinem Grunde seine Leidenschaft nicht zurückzuhalten. Granuella fand seinen Kopf in ihrem Schoß. Seine Hände suchten immer über ihre Arme zu streifen. Sie sprang zurück und sah ihn mit aufgerissenen Augen an. Sie empfand die Liebe, die ihr entgegenschlug, aber sie dachte in diesem Augenblick nicht an Romanoff, sondern an den Herzog von Leuchtenberg, der sie aus dem brennenden Haus geholt.

„Was wollen Sie?“ schrie sie, „was wagen Sie?“

Der junge Mann war zerschmettert. Sie suchte ihn aufzurichten, als sie ihn so blaß sah.

„Verzeihen Sie,“ meinte er mit zuckenden Lippen, „ich habe Sie nicht beleidigt. Man zwingt mich abzureisen und ich vermag nicht ohne ein Wort der Zuneigung von Ihnen zu gehen. Lieber erschieße ich mich vor Ihrer Tür.“

Das Mädchen war tief gerührt. Sie nahm ihm die Pistole aus der Hand, die er ihr wie gelähmt überließ:

„Ich vermöchte keinen Mann zu lieben, der sich nicht um die Heimat die unausdenkbarsten Verdienste gemacht hätte. Aber ich spüre nichts für Sie, als jene Zärtlichkeit, die ich Ihnen schulde.“

„So lieben Sie einen andern,“ schrie Romanoff und schlug die Faust auf die Brust, als wolle er sie zerschmettern. Er dachte an St. Goar und fühlte sich plötzlich schmählich mißbraucht. Granuella war an die Wand getreten und so hinreißend, daß er sich unwillkürlich vor Bewunderung aufrichtete. Sie sagte fast tonlos etwas, das nicht vernommen werden konnte und schüttelte den Kopf.

Er stürzte auf ihre Hand und überströmte sie mit Küssen. Sie forderte ihn auf, zu bleiben und seine Reise aufzuschieben. Er sagte düster, er könne nicht.

„Warum?“ Er wandte sich um. Er suchte auszuweichen, etwas zu erfinden. Er fluchte auf sich, daß ihm nichts einfiel und verwirrte sich. Schließlich erfuhr sie, daß sie von St. Goars Geld gelebt hatten, daß Voß durch monatelange Versäumnisse das Vertrauen seiner Kreise eingebüßt habe, daß er sogar gewisse wichtige Akten und Namensverzeichnisse ohne Skrupel aus Rachelust mit St. Goar zusammen hatte verhaften lassen. Romanoff war auf dem Wege, daraus folgernden Schwierigkeiten vorzubeugen. Es traf sie fast tödlich. Sie hatte die Augen lange geschlossen und zitterte am Körper, als hinge sie im Wind. Zuletzt fragte sie mit harten Augen: „Warum habe ich das nicht lange bereits erfahren. Es wäre Ihre Pflicht gewesen, mich aufzuklären. Warum blieben Sie in seiner Gesellschaft?“

„Ihretwegen,“ sagte Romanoff und sah sie mit aller leidenschaftlichen Erregung an. „Ich konnte nicht vor Sie treten und sagen: „Frederik de Voß ist ein vom Geld zermorschter Habenichts, ein Verräter und ein gewissenloser Freund der Nation. Gott hilf mir. Ich habe es nun gesagt.“