An diesem untersten Teil der Stufe hielt eine Motorbarkasse des „Leviathan“. Nun traten, während sichtlich verhandelt wurde, ein Teil der angeschwollenen Menge, die sich vermischt hatte, zurück, und endlich wurde der kleine Sarg mit einem Dutzend Begleiter in die Barkasse übernommen, die sofort abfuhr. In diesem Augenblick fingen sämtliche Menschen, die die Treppe hinuntergezogen waren, an sie in einer entsetzlichen Flucht hinaufzurennen und man hörte in der Ferne ein Signal von Hörnern, die abwechselnd weich und lang und dazwischen scharf geblasen wurden. Dieser Vorgang war ungewöhnlich, in seiner Eile verwirrend, das Schreckliche daran bestand in der Atmosphäre der Unheimlichkeit, die er ohne Grund hinterließ.
Diese wurde aufs Furchtbarste erhöht. Es waren drei Personen übrig geblieben, die nun etwa zwanzig Stufen herabstiegen, bis sie links und rechts auf die Brüstung kamen, die schon über dem Wasser hing. An dieser Stelle erschossen sie sich und stürzten in das Meer. Der letzte trat bis an die unterste Stufe, setzte sich und schnitt sich den Leib auf. Er schnitt, nachdem er die Kleider bei Seite geschoben hatte, eine lange langsame Linie, die Eingeweide fielen ins Meer, er stürzte zurück und blieb liegen. „By Jove,“ sagte ein Mann am Reeling „er hat keinen Jonny Rumford, der sie ihm herausholt wie das Bein von Capt. Pound“. Der Matrose drehte sich um und bemerkte, daß Capt. Pound nicht anwesend war. Auf diesen Mann konnte sich Capt. Pound wie auf das Sakrament verlassen, er hatte jedoch, obwohl er in Kuba neben ihm gefochten hatte, vermieden, ihn von seiner Abwesenheit zu benachrichtigen. In diesen Augenblicken, die zwischen Grauen und Verständnislosigkeit schwanken, ist der Anblick eines verdutzten Gesichts eine wundervolle Rettung für den Verstand. Die Matrosen lachten, sie wieherten vor Vergnügen. Im selben Augenblick legte die Barkasse an.
Durch ein Signal wurde das Deck geleert. Die Leute, die heraufgestiegen, erblickte kein Auge. Sie nahmen Besitz von einem Teil des Schiffs, der nicht zugänglich war.
Das Geheimnis dieser Vorgänge ist völlig banal. Man wird es heute weniger verstehen, daß es Aufsehen machte als morgen und die Bedeutung, die man ihm beilegte, damit verstehen, daß in diesen Jahren der Untergang eines Eisbergs durch ein Schiff, das mit ihm zusammenstieß, die wahrscheinliche Ermordung einer Mutter durch die rothaarige Frau Steinheil in Paris oder die Flucht einer sächsischen Prinzessin mit einem italienischen Walzerkomponisten sensationelle Geschehnisse waren, die den Atem der Gesellschaft für Monate gepreßt hielten. Das Geheimnis, das nach Jahren noch nicht gelöst ward, hätten zwei Menschen leicht entschleiern können.
Der erste war natürlich Capt. Pound, der am Abend an Land gegangen, die Verhandlungen mit den Leuten über jener Treppe geführt hatte und sich daraufhin verabschiedet und mit einem Auto nach der nächsten Station hatte bringen lassen. Man war der Ansicht, daß er nach Peking fahren wolle. Der hühnenhafte Stelzfuß war drei Stunden am Strand zurückgelaufen und in der Nähe der Treppe trotz seinem Holzzusatz am rechten Bein nach dem Schiff zurückgeschwommen. Er hatte ungesehen seine Kajüte erreicht.
Hier nahm er ein Musterwerk der Mechanik vor, indem er eine Wand über seinem Bett öffnete, in einen Korridor geriet, von diesem in eine Stahlkabine, die allerdings nicht hoch genug war, um darin stehen zu können, dafür ein Ruhebett besaß, das sie in fünfundvierzig Grad diagonal durchschnitt. Der übrige Raum dieser Kabine war aufs verständigste ausgenutzt, um Lebensmittel, Wasser und Zigaretten unterzubringen. Der Mann hatte die Klappen hinter sich geschlossen, untersuchte die Nietungen, brummte, untersuchte die Nietungen an der anderen Seite der Kabine und nahm befriedigt Platz: „Diese Fabrik,“ sagte er, „fertigt die anständigste Präzisionsarbeit der Welt. Es lohnt sich, eine Zeitlang schräg zur Erde sich aufzuhalten. Im übrigen werde ich sie behalten, denn sie scheint ausbaubar zu sein.“
Dann erst sah er in einen Apparat, der einem Stereoskop glich. Es war der Beginn eines Scherenfernrohrs. Er vermochte durch zwei winzige Löcher, die der Ventilation dienten, von der Decke der Kabine, die er hatte einbauen lassen, diesen ganzen Raum zu übersehen. Er befand sich durch fünfzig Zentimeter besten Stahl getrennt neben dieser Kabine.
Diese wurde am Morgen geöffnet, einige Leute betraten sie und untersuchten zwei Stunden lang. Sie benutzten dazu nicht nur Instrumente, sondern auch die Zunge, um geheime Ritzen zu erkennen. Capt. Pound, der offenbar wie auf die Auferstehung auf die Zuverlässigkeit der Mechanik vertraute, konnte es nicht unterlassen, während dieser Zeit Zigaretten zu rauchen. Der tollkühne Bursche hatte die Frechheit der Abenteurer, die jeden Einsatz auf der höchsten Quote spielen, ähnlich den Seiltänzern eines verschwundenen Jahrhunderts, die lieber zwischen Kirchtürmen, als in mittlerer Höhe und mit einem Netz geschützt laufen. Es gibt eine Berufsehre, die den Militärs mit den Verbrechern gemeinsam ist und die beide veranlaßt, mit der möglichsten Kühnheit zu leben.
Als die Untersuchungen abgeschlossen waren, wurde mitten in dem Raum, der vorher mit Blendlaternen übertaghell erleuchtet war, der Sarg, offen, aufgestellt, worauf der Raum in einem leichten grünen Licht schwamm. Daraufhin wurde die große Stahltür geschlossen und man konnte eine Scheibe aus meterdickem Glas darin beobachten, die trotzdem durchsichtig genug war, den Raum zu kontrollieren. Die Leute, die diesen Transport zu erledigen hatten, hatten scheinbar die Tür plombiert und mit Wachen umzingelt, denn das Schiff begann sich zu bewegen.
„Capt. Pound,“ sagte der Matrose Jonny Rumford, „ist nicht zurückgekehrt. Er wird seine Gründe haben. Wir sind nicht allein. Sein Bein ist da.“ Er ahnte nicht, daß Pound seine Ruhe, die er vor Kuba behalten hatte, als er ihm sein Bein überreichte, verloren hatte. Capt. Pound hatte damals, obwohl er vor Schmerz weiß geworden war, gesagt: „Das nächstemal deines, Junge, ich werde es dir bringen.“ Capt. Pound starrte wie ein aufgeregter Verrückter in das Fernrohr. In dem offenen kleinen Sarg lag jene schauerliche Sache, die diesen Mann in seinem kleinen Käfig fast ersticken ließ, und deren Anziehungskraft stark genug war, ein junges Mädchen aus einem völlig vortrefflichen Dasein in das Verbrechen hineinzujagen, dem sie ebenso überlegen war wie den Tugenden.